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Dieter Kosslick weiß: Das Medieninteresse bei der Berlinale ist immer hoch.  Kalaene
Dieter Kosslick weiß: Das Medieninteresse bei der Berlinale ist immer hoch. Kalaene
03.02.2017

„Es wird wieder eine Glamour-Berlinale“

Drei deutsche Filme im Bären-Rennen und internationale Stars auf dem roten Teppich. Bei der 67. Berlinale, die am Donnerstag beginnt, werden rund 400 Filme gezeigt, darunter viele mit politischer Botschaft. Der Berlinale-Direktor und gebürtige Pforzheimer Dieter Kosslick (68) rät im PZ-Interview: „Zwischendurch sollte man sich eine Komödie reinziehen, um dann wieder fit für die Herausforderungen der Welt zu sein.“

PZ: Welche Probleme brennen den internationalen Filmemachern auf den Nägeln?

Dieter Kosslick: Viele Filmemacher machen sich Gedanken darüber, warum die Welt so aussieht, wie sie aussieht, indem sie in die Geschichte zurückblicken. Da ist zum Beispiel das epische Historiendrama „Viceroy’s House“ von Gurinder Chadha („Kick It Like Beckham“) über die Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien vor 70 Jahren. Oder Raoul Pecks „Der junge Karl Marx“ mit August Diehl in der Titelrolle.

Gibt es einen inhaltlichen roten Faden im Festivalprogramm?

Das Festival hat in diesem Jahr den Schwerpunkt Europa. Im Blick auf das politisch einst in Ost und West geteilte Europa geht es auch um den Verlust der zwei großen Utopien. Die Menschen vertrauen dem Kapitalismus nicht – und dem Kommunismus sowieso schon lange nicht mehr. Man sucht nun nach Menschen, die Mut haben und etwas verändern wollen. Das sind überwiegend Künstler, wie zum Beispiel Joseph Beuys, der im deutschen Wettbewerbsbeitrag „Beuys“ von Andres Veiel porträtiert wird. In „Final Portrait“ von Stanley Tucci ist es der Bildhauer Alberto Giacometti, den der großartige Geoffrey Rush spielt.

Im Eröffnungsfilm „Django“ geht es auch um einen Künstler: den französischen Jazzmusiker Django Reinhardt und seine Flucht aus dem besetzten Paris im Jahr 1943.

All diese Porträts erzählen auch etwas über die Zeit, in der die Künstler lebten. Zu Reinhardts Zeit wurden Sinti von den Nazis verfolgt und im Konzentrationslager umgebracht. Und da sind wir dann wieder ganz in der Gegenwart, in der Sinti und Roma, aber auch Homosexuelle in vielen Ländern immer noch verfolgt werden.

Wird es also dieses Mal eine eher nachdenkliche Berlinale und keine Glamour-Berlinale?

Es wird wieder eine Glamour-Berlinale. Weil wir sehr viele Stars auf dem roten Teppich haben werden. Und es gibt auch wieder viel zu lachen. Zum Beispiel bei der Gesellschaftssatire „Wilde Maus“ vom österreichischen Kabarettisten Joseph Hader.

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