nach oben
Selbst entworfen: Die Sitzgruppe von Peter Paul Pfeiffer hat es Kunsthistorikerin Christiane Klittich (links) und Angelika Müller- Tischer vom Kulturamt angetan. Sie ist Teil der Ausstellung im Stadtmuseum über die Eutinger Künstlerkolonie. Foto: Seibel
Selbst entworfen: Die Sitzgruppe von Peter Paul Pfeiffer hat es Kunsthistorikerin Christiane Klittich (links) und Angelika Müller- Tischer vom Kulturamt angetan. Sie ist Teil der Ausstellung im Stadtmuseum über die Eutinger Künstlerkolonie. Foto: Seibel
11.03.2016

Eutinger Künstlerkolonie: Ausstellung im Brötzinger Stadtmuseum

Sie wollten raus in die Natur, kreativ tätig sein und sich möglichst selbst versorgen: Die Bewohner der Eutinger Künstlerkolonie. Eine Ausstellung im Brötzinger Stadtmuseum zeigt jetzt Fotos, Möbel, Schmuckstücke und Dokumente, die die Siedlung und ihre damaligen Bewohner charakterisieren. Die Eröffnung findet am Sonntag, 13. März, um 11.30 Uhr mit Kunsthistorikerin Christina Klittich statt.

Rehe und Iltisse gehalten

Befreundete Dozenten der Pforzheimer Goldschmiede- und Kunstgewerbeschule gründeten 1909 in sonniger Lage die kleine Jugendstil-Villenkolonie „Hohe Steig“ oberhalb des Dorfes Eutingen. Zu den ersten Bewohnern gehörten die Künstler Peter Paul Pfeiffer, Georg Kleemann, Julius Müller-Salem und Emil Bäuerle, später kam der Maler Erwin Aichele hinzu. Letzterer hielt auf seinem Grundstück Rehe, Iltisse, Vögel und Hunde. Neben zahlreichen historischen Dokumenten wie Fotografien und Bauplänen werden auch originale Ausstattungsstücke gezeigt und ein Film über die Schmuckgestaltung zu dieser Zeit. Die Häuser wurden im Landhausstil mit Kalksteinsockeln, Schindelfassaden, Sprossenfenstern und Klappläden errichtet. Die großzügigen Gartengrundstücke mit Obstbäumen boten die Möglichkeit zur Selbstversorgung.

Das Haus von Peter Paul Pfeiffer ist ein seltener Glücksfall: Noch immer befindet sich das Denkmal im Familienbesitz mit einer Fülle von Original-Einrichtungsstücken. Selbst entworfene Bilderrahmen, eine Möbelgruppe, eine Lampe und Schmuckstücke im Jugendstil-Design zeugen in der Ausstellung vom universalen künstlerischen Anspruch des ersten Siedlers in der neuen Kolonie.

Heute lebt die Enkelin in der nahezu unveränderten Villa. Das naturbelassene Terrain oberhalb des Ortskerns mussten die neuen Bewohner selbst mit Wegen erschließen und ein Wasserreservoir anlegen, erklärt Kunsthistorikerin Christina Klittich. „Die Ausstellung lässt den damaligen Zeitgeist lebendig werden“, erklärt die stellvertretende Kulturamtschefin Angelika Müller-Tischer. Trotz des Wunsches nach Abgeschiedenheit sei den Bewohnern die Eisenbahnverbindung ab Eutingen in die Stadt wichtig gewesen.