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Nah bei den Fans: der bayrische Kabarettist Willy Astor. Foto: Molnar
Nah bei den Fans: der bayrische Kabarettist Willy Astor. Foto: Molnar
07.08.2017

Fabulierend komisch: Willy Astor begeistert beim Klostersommer

Calw-Hirsau. Das Berührendste zum Schluss: Ein Lied, das anregt, sein Glück im Einfachen zu suchen. Willy Astor ist plötzlich ganz seriös, singt im Stil von Reinhard Mey das Stück „Einfach sein“ aus seinem neuen Album „Chance Songs“. Verstummt lauschen die 1400 Besucher im Kloster Hirsau, dabei haben sie eben noch lauthals gelacht. Denn was der bayrische Kabarettist, Sänger und Gitarrist an diesem fast dreistündigen Abend vor allem serviert, sind witzige Wortspielereien, mit denen er die albernsten Geschichten und Medleys fabriziert – oder besser: fabuliert. Schließlich „verhindert Albernheit den Ernst der Lage“. Das Publikum wird schonungslos miteinbezogen, alle Zuspätgekommenen kriegen sofort ihr Fett weg.

Mit Lob spart der „Alone-Underholder“ in bunter Hawaiihose aber auch nicht: „Sie scheinen ein begeisterungsfähiges Publikum zu sein. Waren Sie schon lange nicht mehr weg?“ Mit einem Lied für Calw steigt er ein: „Oh Calw – du bist so, wie du bist“. Das war’s. Genauso knapp fällt sein Tipp für die Herren aus, die ihrer Frau unter einer Calwer Sommerlaterne mal wieder etwas Bezauberndes zuflüstern sollen – nach dem Motto: „Happy wife, happy life“. „Hey, du bist wirklich so was von okay – reicht völlig“, meint der Komiker, der zum 30-jährigen Bühnenjubiläum mit seinem Programm „Reim Time“ gastiert. Für die Damen hat er auch einen Rat auf Lager – zum Start in den Tag den werten Gatten mit eiskaltem Wasser wecken. Wird er so schnell nicht wieder vergessen. Selbst wenn ein Gag mal nicht so zündet, macht Astor daraus eine Nummer. Er verquickt „Country mit Western“ und einen afrikanischen Reggae mit Hühnerfrikassee und Bohnenkaffee. Nebenbei plaudert er vom Krankenhaus und „Seitenstecher-Müsli“. Das Wichtigste im Gesundheitsbereich sei jedoch die Prävention. Deshalb habe er die Fische im Aquarium mit den Namen der Nationalspieler beschriftet – als „Profi-Lachse“. Für die Hipster rappt er von der „Taube Jo“ und vom „Pubertier“ zu wummerndem Bass, die Älteren lässt er fröhlich „Kiff a Little Bit On My Altersheim“ mitsingen – frei nach der Melodie von „Give a Little Bit“. Auch andere Songs erhalten beim „Senioren-Medley“ ein neues Gewand – aus „Schickeria“ der Spider Murphy Gang wird „Schick a Rührei“, aus „Purple Rain“ von Prince „Bärbel rein“.

Zum Kringeln komisch ist auch die Schnapsidee, auf die „Spirituosen“-Inseln zu fahren, oder im selben Stil reihenweise Schauspieler zu einer Berliner-WG-Zeiten-Story zu verpacken. Ausufernd auch die gut 45-minütige Zugabe, wo aus „Guantanamera“ kurzerhand „Kaulquappensocken“ werden. Tosend-pfeifender Applaus.