760_0900_107881_Chico_Freeman_rdf300_X_3369.jpg
Spielte in seiner langen Karriere bereits mit Künstlern wie den Four Tops, den Isley Brothers und Curtis Mayfield: Chico Freeman.  Foto: Frommer 

Facettenreiches Konzert: Chico Freeman spielt mit den Voices of Chicago im Jazz-Club „domicile“

Pforzheim. Saxofon-Star Chico Freeman ist ganz vernarrt ins „domicile“. Seit er in Biel zu Hause ist, kommt der aus Chicago stammende Avantgarde-Veteran in schöner Regelmäßigkeit in Axel Klauschkes Jazz-Club. Fraglos ist das eine Auszeichnung, denn die aktuelle Tournee spielt er ansonsten ausschließlich in der Schweiz. Zum jüngsten Montagabend-Gig in Brötzingen brachte der umtriebige 70-Jährige sein neues europäisch-amerikanisches Projekt Voices of Chicago mit.

Geradezu ansteckend gut gelaunt zeigte sich hierbei die namensgebende afroamerikanische Vokalgruppe: Ivonne Gage, Simbryt Dortch, Brandon Lampkin und Isaiah Robinson. Komplettiert wurde die Formation durch Pianist Theodis Rodgers Jr. (Illinois), Schlagzeuger Luigi Galati (Biel), Edelbassist Heiri Känzig (Luzern) und durch Perkussionist Reto Weber (Solothurn).

Angekündigt waren Jazz, R&B und Gospel; also die musikalischen Wurzeln Chico Freemans, der im „domicile“ neben dem Gospel seiner Großmutter Earle Kree Freeman auch den in Chicago elektrisch aufgeladenen Blues als wichtige und nachhaltige Inspirationsquelle nannte. In den allerersten Jahren seiner langen Musikerkarriere spielte er nach eigener Aussage „ jede Art von Musik“. Vor allem in der Chicagoer Southside und auch mit Soul- und Funkgruppen, wie den Four Tops, den Isley Brothers oder den Temptations. Angeheuert wurde er auch von Curtis Mayfield und den Phenix Horns, der Bläsergruppe von Earth, Wind and Fire.

Ausgelassene Party

So gesehen war es nicht mehr ganz so überraschend, dass die vier „Voices“ tutti wie Manhattan Transfer zu besten Zeiten klangen und bei ihren Soli wie Chaka Khan, Stevie Wonder oder wie der junge Michael Jackson. Das facettenreiche und mitreißende Ausnahmekonzert wurde in seinem Schlussdrittel zur ausgelassenen Party: Band und Chor adaptierten und verjüngten Steve Millers „Fly Like An Eagle“ ebenso kraftvoll wie den Disco-Kracher „Ain’t Nobody“. Entsprechend lebhafter Beifall brandete hier ebenso auf wie bei den Eigenkompositionen und Soli, bei denen die angereisten Instrumentalisten ihre bestechende Extraklasse unter Beweis stellten – allen voran Pianist Theodis Rodgers Jr. und natürlich Chico Freeman selbst, der sein prächtig gearbeitetes Tenorsaxofon so gefühlvoll und transparent spielen kann, dass man bei Regen mühelos noch eine Träne fallen hören könnte. Ein weiteres ganz besonderes Element des Konzerts war der feine metallische Klang der Hang-Perkussion von Reto Weber.

Und noch eine Zugabe

Für die zweite Zugabe entschied sich Chico Freeman spontan und erst, nachdem seine Musiker bereits glaubten, es sei Schicht im Schacht, und die Bühne lange verlassen hatten. Als der Meister doch noch einmal nach ihnen rief, sah es eine ganze Weile nach deutlich kleinerer Besetzung und dem überragenden Isaiah Robinson als einzigem Sänger aus. Doch nach und nach kamen sie alle wieder – die Sängerinnen, der High Heels inzwischen überdrüssig, entweder in erheblich flacheren Schuhen oder gleich in sichtlich bequemen Wollsocken.