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Zwei Solisten in perfekter Harmonie vereint: Simone Manna (rechts) am Fagott und Diethard Stephan Haupt an der Orgel.  Foto: Moritz 

Fagott und Orgel im brillanten Dialog: Viertes Orgelsommerkonzert in der Altstadtkirche

Pforzheim. Immer etwas Besonderes: Unter dieses Motto könnte man die Orgelsommerkonzerte 2019 stellen. Das vierte Konzert mit dem Titel „Facetten des Fagott-Klanges“ machte in der stimmungsvollen Altstadtkirche St. Martin mit ihrer trockenen und damit sehr transparenten Akustik keine Ausnahme.

Simone Manna, italienischer Solo-Fagottist bei der Badischen Philharmonie Pforzheim, und Diethard Stephan Haupt als Organist stellten eine Vielzahl weitgehend unbekannter Literatur für Orgel und Fagott, zum Teil in entsprechenden Bearbeitungen vor. Und es zeigte sich wieder einmal, dass die Kleinform musikalisch ausgesprochen reizvoll, weil vielfältig kombinierbar ist.

Simone Manna erläuterte zunächst im gut besuchten Kirchenraum sein Instrument. Aufbauend auf Vorläuferinstrumenten wie zum Beispiel der Bombarde wurde das Fagott im Barock entwickelt und die Bauweise im 19. Jahrhundert revolutioniert. Es ist trotz großen Tonumfangs und reicher Klangfarben eigentlich ein Orchesterinstrument mit Bassfunktion. Solostücke für Fagott sind bis heute eher selten, es können auch Kompositionen für Cello ohne Doppelgriffe für diesen Zweck verwendet werden.

Die beiden sehr harmonisch zusammenwirkenden Musiker hatten Werke von Komponisten aus dem Barock, der Wiener Klassik, dem Übergang zur Moderne und des 20. Jahrhunderts zusammengestellt. Interessant zu hören, wie unterschiedlich das Basso Continuo – hier die Orgel – behandelt wird: bei Antonio Vivaldi eher zurückhaltend, bei Johann Friedrich Fasch spürbar bewegter, aber dennoch untergeordnete Begleitung für das melodieführende Fagott. Johann David Heinichen, dessen Sonate D-Dur eine der ganz wenigen existierenden Kompositionen für Solo-Fagott ist, hat dem Basso Continuo eine deutlich bedeutendere Aufgabe zugeteilt: Die Melodiebälle fliegen hin und her zwischen Fagott und Orgel, wobei der spieltechnisch virtuose Fagottpart mit schier unendlich perlenden Verzierungen aufwartet.

Jazzige Anmutungen, fast wie ein Saxofon, zeigt das Fagott in einer Choralvariation über „Lobet den Herren, alle, die ihn ehren“ von Matthias Claudius Link und in der gefälligen und effektvollen Romance op.62 von Edgar Elgar.

Dazwischengesetzt kleine Schätze der Orgelliteratur: eine reizende, gläsern-glitzernde Petitesse die drei Flötenuhrstücke von Joseph Haydn; ein eindringliches musikalisches Gebet mit schwebender, dunkel leuchtender Klangfarbe das Ave Maria op. 80/5 von Max Reger; farbenreich und brausend sein Te Deum op 59/12; voller volksfesthafter Lebensfreude ein Allegro brillante von Vincenzo Petrali. Das Schlussstück, „The Happy Vagabond“ von Harold Noble, lässt dann lautmalerisch einen fröhlichen Nichtsnutz durch die Lande ziehen.

Bei Kirchenkonzerten eher selten: Standing Ovations für die beiden sympathischen Musiker. Sie bedankten sich mit der berühmten Air von J. S. Bach.