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Wie Orchester und Orgel gemeinsam musizieren, zeigen Dirigent „Waldemar Wunderlich“ (Heike Hastedt, Mitte), das Bachorchester und der Organist. Foto: Molnar

Familienkonzert „Ein Instrument will ins Orchester“ - Zuschauer begeistert von Orgel

Pforzheim. Kann dieses große Instrument da oben eigentlich ganz leise, tief und schnarrend klingen? Und was ist eine Solokadenz? Um solche und andere spannende Fragen geht es beim ersten Familienkonzert der Stadtkirche in diesem Jahr. Über 70 Besucher, vor allem Kinder, sitzen auf der Empore direkt gegenüber dem Bachorchester und lachen schon beim Auftritt des lustigen Dirigenten mit schwarzem Wuschelkopf.

Immer wieder zückt „Waldemar Wunderlich“ aus Mailand, unter dessen Perücke Kantorin Heike Hastedt steckt, sein großes weißes Taschentuch und niest lautstark hinein. Dann kommt auch noch die zweite Geigerin Frau Pluto (Brigitte Metaxas) zu spät, stimmt ihre Violine mit schiefen Tönen und packt beim ersten Stück, dem Concerto Es-Dur für zwei Hörner und Orchester von Antonio Rosetti, allerlei Perkussionsinstrumente aus.

„Spielen Sie bitte das Instrument, das Sie spielen sollen“, weist Dirigent „Waldemar“ sie zurecht. Nach ein paar Takten bricht er ab: Ob bei Konzertmeister Dietrich Schütz, dem „Übersetzer des Dirigenten“, auch so viele Pausen stehen? So gibt es schon viel Trubel, bevor es mit dem Thema „Ein Instrument will ins Orchester“ eigentlich losgeht. Mit diesem ist die Stadtkirchen-Orgel gemeint, die vor ihrer Sanierung in zwei Jahren noch einmal in den Mittelpunkt gerückt werden soll.

61 Register hat diese, erzählt Hastedt als „Waldemar“, das sei ziemlich groß. Dass sie richtig laut werden kann, stellt Organist Daniel Seeger aus Berlin unter Beweis – beim ersten Satz (Maestoso) von Josef Gabriel Rheinbergers Konzert für Orgel und Orchester Nr. 1 F-Dur op. 137. Nur dieses Musikstück steht neben Rosettis Auszug ohne Hörner beim Familienkonzert tatsächlich auf dem Programm, alle anderen abgedruckten Werke kommen abends beim Lichterkonzert (siehe Kasten) zu Gehör. Dazwischen erfährt das Publikum viel Wissenswertes zu Musik, Orchester oder Komponist. So habe Rheinberger (1839–1901) in München gewirkt – 250 Kilometer weit weg von hier.

Ob der 22-jährige Organist, der zu den aktuell 25 Berliner Orgelstudenten gehört, auch ganz weiche, glitzernde und hohe Töne spielen kann? Schließlich wird die Orgel wegen ihrer unterschiedlichen Klangfarben auch „Königin der Instrumente“ genannt, so Ha-stedt. Gespannt lauschen die Kinder den verschiedenen Klängen aus Fagott-, Flöten- und Mixturen-Registern, die Seeger zieht. Auch dem Lautesten, das auf dieser Orgel überhaupt geht. Einige halten sich die Ohren zu – auch bei Seegers wilde Solokadenz im dritten Satz.

Sanftmütiger ist dann der zweite Satz (Andante), eine Romanze, die „Waldemar“ an ein Wiegenlied erinnert. Ganz leise sind die Zuhörer, als der Organist die zarte Melodie zu spielen beginnt. Mit dem Orchester wird es voller und dynamischer – bis das Anfangsmotiv in den Violinen wieder auftaucht und die Orgel mit leisem Ton den Schlusspunkt setzt. So wie Hastedt es schafft, die Kinder zum Stillsein zu bewegen, so gelingt es ihr, sie wieder wachzurütteln – mit einem Rhythmus aus dem dritten Satz (Con moto) des Orgelkonzerts, bei dem alle aufstehen, mitklatschen, stampfen. Die Kleinen sind begeistert bei der Sache und wünschen sich – ohrenzuhaltend – noch einmal etwas Lautes.