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Ehre, wem Ehre gebührt: Die Fantastischen Vier“ tragen sich ins Goldene Buch der Stadt Stuttgart ein – (von links) Smudo, Michi Beck, Stuttgarts OB Fritz Kuhn, Thomas D. und And.Ypsilon.  Foto: Murat 

Fanta Vier nun ein Fall fürs Museum

Stuttgart. Deutscher HipHop kann klingen wie ein Baumschneidekurs: „Schnippndibipnbadip sipndipndip“ rappten und reimten die Fantastischen Vier Anfang der 1990er-Jahre noch unbedarft.

Ein hüpfender, johlender Gegenentwurf war das damals zum dunklen Gangster-Rap mit seinen Bildern aus Gewalt und Verachtung. Deutschsprachiger Rap, ein Exot. In den vergangenen 30 Jahren sind die Jungs der bekanntesten Stuttgarter Export-Band von einer bunt gekleideten Spaßband zu charismatischen Bühnen-Veteranen mutiert. Politischer ist ihr Reime-Rap geworden, tiefgründiger, teils melodischer und dennoch familienfreundlich. Nun sind die „Fantas“ sogar reif fürs Museum und für die Leinwand. Flossen hoch, Tassen auch.

Zur Feier des 30. Bühnenjubiläums haben das Quartett und das Stuttgarter Stadtpalais tief in der Klamottenkiste gekramt, die Fotoalben durchgeblättert und in die Archive geschaut. Alte Schallplatten, T-Shirts und Autogrammkarten, klobige Computer und Aufkleber, sogar der halbierte, begehbare Wohnwagen eines treuen Fans – das Palais hat alles gesammelt, was die Erinnerung an die vergangenen Jahrzehnte hochleben lässt. Unter dem Titel „Troy“, eine Anspielung an einen Titel aus dem Jahr 2004, stellt das Stadtmuseum diese geradezu hymnisch aufgemachte Reminiszenz zusammen.

Gehört eine Band ins Museum? Jein. Keine andere Formation hat den deutschen Sprechgesang so sehr geprägt wie die Fantastischen Vier. Und seiner Heimatstadt Stuttgart ist das Quartett gedanklich immer „troy“ geblieben, auch wenn die Musiker inzwischen an vier verschiedenen Orten leben. Grund genug eigentlich für eine Würdigung in der Metropole der Schwaben. Und doch ist der Grat sehr schmal zwischen unkritischer Bewunderung und objektiver Betrachtung. Zudem hätte es sich angeboten, die abwechslungsreiche Geschichte des deutschsprachigen HipHop aufzugreifen.

Genau 30 Jahre also. Zugegeben, wirklich ahnen konnten sie damals, am 7. Juli 1989, nicht, dass aus ihnen mal ein jahrzehntelang gefeiertes Musikprojekt werden würde: Beim ersten Auftritt auf einer Bühne in einem stillgelegten Kindergarten hüpften die Hip-Hopper für 3,50 Mark Eintritt auf wackeligen Euro-Paletten. Es war das erste Konzert unter ihrem deutschen Namen. „Deshalb haben wir dieses Datum als unseren Geburtstag auserkoren“, sagt Bandmitglied And.Ypsilon. Ein paar Jahre später gelingt ihnen mit „Die da!?!“ der Durchbruch.

Dabei war der erste Auftritt im Vorort Wangen auch die Geburtsstunde des deutschen Raps: „Die Fantastischen Vier haben große Verdienste für die deutsche Popkultur geleistet“, sagt Professor Hubert Wandjo von der Popakademie Baden-Württemberg. „Sie waren die ersten, die deutschsprachigen Hip-Hop massenkompatibel gemacht und aus der Nische in den Mainstream getragen haben.“