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Günstling der Königin: Patrick Kabongo als Leicester.  Foto: Pfeiffer Photodesign 

Farbenprächtiges Belcanto-Fest in Bad Wildbad: „Elisabetta regina d’Iinghilterra“ als musikalisches Ereignis

Bad Wildbad. Corona fordert die Akteure im Theaterbetrieb als Improvisations-Künstler heraus. Was sonst in eng bestuhlten Theatern stattfindet, wird ins Freie verlegt. Doch Starkregen mit Blitz und Donner machen auch schönste Freilicht-Ideen, wie sie sich Intendant Jochen Schönleber und sein Team für das Rossini-Festival ausgedacht haben, zunichte. Bleibt als Spielort die „Offene Halle“, in die eine mit Traversen für die Beleuchtung, einigen Theatergassen und einer Anzeigetafel für die Obertitel ausgestattete Bühne hinein platziert wurde.

Da fühlt man sich, zumal wenn der Regen auf das Bretter-Dach prasselt, in die elisabethanische Frühzeit der Theaterkultur zurückversetzt. Hier also wird gegeben ein „Dramma per musica“, Gioachino Rossinis „Elisabetta regina d’Iinghilterra“ (Elisabeth, Königin von England). Und was dabei herauskommt, ist ein musiktheatralisch beachtliches, in Teilen mitreißendes Intrigenspiel im von Liebesleidenschaften durchkreuzten Machtpoker des 16. Jahrhunderts,

Spiel auf der Probebühne

Eigentlich ist die Aufführung eine Übernahme der Inszenierung, die Regisseur und Bühnenbildner Schönleber für das plüschige Slowacki-Theater in Krakau konzipiert hat. Die Umsetzung der Produktion in die Wildbader Bedingungen wirkt wie ein Spiel auf der Probebühne. Der Philharmonische Chor Krakau erscheint zwar hin und wieder als Statisten-Volksmenge auf den Theater-Brettern, singt aber zumeist hinter und neben der nachtschwarzen Bühne. Für die teils in glitzernder Abendrobe, teils im Gammler-Outfit (Kostüme Ottavia Castellotti) herausgeputzten dramatis personae gibt es lediglich zwei plastikrot bezogene Regie-Sessel und ein angedeutetes Rednerpult.

Manchmal hastet der bei Rossini als Hauptmann der königlichen Wachen aufgeführte Guglielmo (Luis Aguilar) als Regie-Assistent im Straßenanzug mit tenoralen Anweisungs-Einwürfen über die Bühne. Auf der Bühnenrückwand sind per Video-Clips eingespielte Projektionen zu sehen, die das Musikdrama in die Gegenwart holen: versammelte Bürger im Corona-Protest. Das Philharmonische Orchester Krakau sitzt eingekeilt zwischen dem kleinen Premiere-Publikum und der improvisierten Bühne.

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Musikalisch ist diese Produktion ein Ereignis. Selten hört man die Ohrwurm-Ouvertüre, die vor allem aus „Barbier von Sevilla“ bekannt ist, mit solch schönen Crescendo-Anläufen. Dirigent Antonino Fogliani hat aus dem jugendlich besetzten Orchester eine hocheffiziente Rossini-Truppe geformt und auch den Chor zupackend im Griff. Herausragend die Sopranistin Serena Farnocchia als Elisabeth. Vor allem ihre hochdramatischen Auftritte geraten zu einem Fest der Koloratur. Tenor Patrick Kabongo meistert als (Heerführer, ins Gefängnis geworfener Liebhaber und Elisabeth-Günstling) Leicester nicht nur die von Bläsern begleitete Traum-Szene mit Bravour. Der etwas pressende Tenor Mert Süngü zeichnet sich in seiner anspruchsvollen Rolle als rachsüchtiger Bösewicht Norfolc aus. Veronica Marini punktet als Matilde mit einer in Koloratur-Girlanden ausschweifenden Arie („Sento un’interna voce“). In der Hosenrolle des Enrico gefällt Mara Gaudenzi.

Nicht nur das von allen Beteiligten gestaltete Stretta-Finale des ersten Akts entfaltet ein farben-prächtig funkelndes Musikfest.