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Experimentierfreudig: das Kollektiv um Jakob Bänsch (vorne links). Roller
Experimentierfreudig: das Kollektiv um Jakob Bänsch (vorne links). Roller
22.05.2019

Farbenreich und vielgestaltig: Jakob Bänsch und Bandkollegen begeistern im „domicile“ mit frischer Spielweise

Pforzheim. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und so etwas wie Rührung in der Stimme erzählt Axel Klauschke von sechs jungen Menschen, die am Montagnachmittag gegen vier Uhr bei ihm im „domicile“ auftauchten, sich umschauten und staunten, wer in dem seit 1975 bestehenden Jazzclub schon alles aufgetreten ist. Ein paar Stunden später, um halb neun, stehen die jungen Menschen dort selbst auf der Bühne – mit ihren Instrumenten und einer Menge Spielfreude.

Loreen Sima, Jakob Bänsch (beide gehen aufs Pforzheimer Hebel-Gymnasium), Jakob Manz, Lukas Wögler, Moritz Langmaier und Malte Wiest spielen Jazz: farbenreich und vielgestaltig, mal zupackend und energisch, mal ganz entspannt. Die Sechs sind Vollprofis, von Unsicherheit keine Spur. Jakob Manz und Lukas Wögler scheinen nie Luft holen zu müssen, wenn sie ihren Saxofonen wilde Wirbeleien entlocken.

„Ein Gefühl von Freiheit“

Jakob Bänsch malträtiert seine Trompete so lange, bis er einen roten Kopf bekommt. Er ist der Bandleader und hat das Kommando. Er zählt die zum Teil von ihm selbst arrangierten Stücke an, gibt seinen Mitspielern kleine Zeichen. Seit seinem achten Lebensjahr spielt Bänsch schon Trompete. Derzeit absolviert er neben der Schule im zweiten Semester ein Jungstudium an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Jazz sei vielseitig, sagt er, mehr als nur Hintergrundmusik. „Improvisieren zu können, ist ein Gefühl von Freiheit.“ Seit Anfang des Jahres bilden Bänsch und seine Kollegen eine Band. Unter den zwischen 16 und 19 Jahre alten Mitgliedern sind etliche Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“. Wenn die Nachwuchsmusiker auf der Bühne stehen, sind sie nicht zu bremsen, holen alles aus ihren Instrumenten und den Stücken heraus. „Straphangin‘“ spielen sie bei ihrem Auftritt in Pforzheim, „Nutville“, „Naima“ und eine nach Zuversicht klingende Nummer mit dem Titel „Possibilities“, die Pianist Moritz Langmaier selbst komponiert hat.

Die Band deckt die ganze Bandbreite ab, hat Balladen genauso im Gepäck wie etwas, das schon fast ein bisschen nach Free Jazz klingt. Im Publikum schütteln am Montagabend einige ungläubig den Kopf angesichts der Leistung der Jugendlichen, die sich wohl am besten mit einem Wort beschreiben lässt: außergewöhnlich.