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Eine Rarität ist mit Leopold Mozarts Bratschenkonzert D-Dur zu hören, bei dem das SWDKO-Mitglied Cheryl Swoboda (Mitte) wunderbar einfühlsam den Solopart übernimmt und besonders im langsamen Mittelsatz für Gänsehaut sorgt.  Foto: Molnar 

Faszination Mozart: SWDKO bezaubert mit Raritäten der Wiener Klassik in Würm

Pforzheim-Würm. Einen Applausbarometer gibt es nicht. Und doch stellt Dirigent Georg Mais nach dem Divertimento D-Dur KV 136 von Wolfgang Amadeus Mozart sofort fest: „Sie haben mehr geklatscht als vorhin beim Vater.“ Das Stück hat Mozart mit 16 Jahren komponiert und es stand freilich schon öfter auf dem Programm des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim – nun erneut beim Stadtteilkonzert in der evangelischen Kirche in Würm.

So flutschen die heiter-leichtfüßigen Töne auch nur so aus den Saiten – ohne großes Zutun von Mais. Der kantable Mittelsatz ist wunderbar zum Durchatmen, bevor die Musiker im Presto-Finale davonrauschen und -springen. Dass in dem Jugendwerk der Geist von Italien mitschwingt, hat Mozart seinem Vater Leopold zu verdanken, entstanden die drei „Salzburger Sinfonien“ (136–138) doch unmittelbar nach der zweiten Italienreise 1772. Und die hat der väterliche „Allroundkönner“, wie ihn der Dirigent nennt, organisiert. Oft käme dieser zu schlecht weg. Zum 300. Geburtstag von Leopold Mozart stehen daher zwei selten zu hörende Werke des Komponisten und Erziehers auf dem Programm: die Sinfonie F-Dur F 5, die erst 1994 als Fragment auf einem Kirchenspeicher in Augsburg wiederentdeckt wurde, und das Konzert für Viola und Orchester D-Dur, das vermutlich um 1762 als Posaunenkonzert entstanden und fast 200 Jahre verschollen war. Als Gründer und Leiter der Südwestdeutschen Mozartgesellschaft sowie Künstlerischer Leiter verschiedener Mozart-Festivals ist Mais ein ausgewiesener Mozart-Kenner. So führt er fundiert und humorvoll durch den Abend. Zudem hatte er bei der wiedergefundenen, von Studenten vervollständigten Sinfonie seine Finger im Spiel, wurde der Spezialist schon damals nach Augsburg gerufen. Auffällig sind die eingängigen Motive, die sich durch die vier Sätze ziehen. Mal schwungvoll (1. Satz), mal akzentuiert in gemäßigtem Tempo (2. Satz) oder rasant mit kurzen, schnellen Strichen (4. Satz).

Ein eindringliches Hörerlebnis erzeugt das Orchester mit dem Bratschenkonzert, die Solistin Cheryl Swoboda kommt aus den eigenen Reihen. Das Kopf-Allegro wird orchestral eingeleitet, die amerikanische Bratschistin tritt einfühlsam hinzu und setzt mit ihrer virtuosen Solopassage ein Ausrufezeichen. Unter die Haut geht das Adagio, bei dem sich das Orchester sehr bedeckt hält. In den schönsten Tönen entfaltet Swoboda den dunklen, warmen Klang ihres Instruments, gestaltet etwa gefühlvoll lange Striche. Zum Schluss erklingt ein zackiges Menuetto mit eingeschobenem Trio, bei dem die Bratsche noch mal in den Vordergrund tritt.

Mit der Orchesterfassung des bekannten Streichquartetts F-Dur op. 3 Nr. 5 von Mozart-Verehrer Joseph Haydn klingt der Abend aus. Reizvoll besonders der zweite, durchgängig gezupfte Satz, bei dem nur die ersten Violinen die Melodie streichen. Mehrere zarte Soloabschnitte hat dabei auch Konzertmeister Zoltán Martinscek. Für Geiger Claudiu Rupa gibt es als Zugabe noch Blumen und ein Geburtstagsständchen, bei dem die Zuschauer begeistert mitsingen und viel Applaus spenden.