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Tonangebend: Marta Hemli (vorn) und ihre Kollegen von Onair.  frommer
Tonangebend: Marta Hemli (vorn) und ihre Kollegen von Onair. frommer
26.02.2016

Fein gewobener Klangteppich: Die a capella-Formation Onair begeistert im Osterfeld

Pforzheim. Sie sind anders. Anders als alles, was man so gemeinhin mit a cappella verbindet. Denn Onair sind ausgeklügeltes Prinzip: Spektakuläres Sound- und Lichtdesign lassen die sechs schönen Stimmen umso heller strahlen. Und mit den beiden Frontfrauen Jennifer Kothe und Marta Hemli hat Onair ein besonderes Potenzial. Nicht nur dass die beiden bei Bedarf engelsgleich singen, dank fabelhafter Technik werden ihre Stimmen zum Mövenschrei oder zum Gitarrensolo.

Überhaupt ist es spannend, was die Berliner Senkrechtstarter aus manchmal recht langweiligen Liedchen machen: Da jagt „Wolf and I“, im Original von Oh Land wenig aufregend, wohlige Schauer des Grauens über den Rücken, da drücken die vielen Balladen immer mal wieder auf die Tränendrüse. Und da sind – nicht nur die vielen weiblichen – Fans im Malersaal des Kulturhauses Osterfeld ganz schnell hingerissen.

Das liegt natürlich auch am charmanten Auftreten des Sextetts. Locker plaudert eine nach dem anderen aus seinem Leben und freut sich, dass „schon nach dem dritten Lied ein Lächeln auf den Publikumslippen“ auszumachen ist. Und trotz aller Präzision, die auch die eher sparsamen Tanzeinlagen bestimmt, wirken die jungen Berliner unangestrengt, selbst wenn von ihrem Stimmen ab und an höchste und tiefste Töne abverlangt werden. Häufig sind es dabei die beiden Sopranistinnen, die den Formationsklang bestimmen, sei es beim Lily-Allen-Cover „It‘s Not Fair“ oder beim chinesischen Song „1000 Symbols“. Und wie nahe gerade Björk dieser Formation liegt, beweist schon das Auftrittslied „New World“. Auch Tenor André Bachmann lässt immer wieder aufhorchen – mit wunderbar warmen Tönen. Und dass Stefan Flügel und Patrik Oliver (Bariton) sowie Kristofer Benn (Bass) mehr können, als singen, das machen die ausgefeilten Arrangements und die Beatbox-Einlagen deutlich.

Doch bei allem fein gewebten Soundteppich, bei aller gefühlvollen Interpretation – so richtig Spaß machen Onair, wenn sie aufs Tempo drücken, rappen, scatten, dancen – bei U2 („Beautiful Day), Rage Against The Maschine/Led Zeppelin („Killing in the Name/Kashmir“, Metallica („Nothinger Else Matters) oder Daft Punk („Get Lucky“). Wie sich das Ganze völlig unverstärkt und unverzerrt, ohne Echo und Hall anhört, das gab es als Zugabe zu erleben – als hauchzartes Volkslied „Wenn ich ein Vöglein wär“.