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Bollenhut auf andere Art: Sebastian Wehrle interpretiert Tradition neu.
Bollenhut auf andere Art: Sebastian Wehrle interpretiert Tradition neu.
15.09.2017

Fernab vom Schwarzwald-Kitsch

Pforzheim. Darf man das? Sebastian Wehrle sieht sich immer noch rüden Anfeindungen ausgesetzt. Der Tatbestand? Der junge Schwärzwälder hat Frauen und Männer abgelichtet – in Tracht.

Und zwar höchst ästhetisch, teils in historischer Erbstücken blicken die dem Betrachter entgegen. Allerdings: Die Haare sind gern mal lila, die Tattoos großflächig, die Piercings und der Migrationshintergrund deutlich. Das passt manchen Traditionalisten nicht. Und macht doch den besonderen Charme der Fotografien von Sebastian Wehrle aus.

„Er gibt dem verstaubten Schwarzwald-Image ein neues, modernes Gesicht“, freut sich Jubliäumskoordinator Gerhard Baral, der dafür gesorgt hat, dass insgesamt 19 Werke von Wehrle noch bis 3. November in Pforzheim zu sehen sind: in den Vitriten des Goldstadtbüros, in den Schaufenstern vom Kaufhof und in der Touristeninformation. „Facing Tradition“ ist für den 33-Jährigen, trotz aller Diskussionen, zum Erfolg geworden. Ein Erfolg, dem man dem sympathischen Freiamter gönnt. Denn nach zwölf Jahren als Kaminbauer – inklusive bester Gesellenprüfung in Deutschland – folgt er seinem Herzen, hängt den sicheren Brotberuf an den Nagel und verschriebt sich seiner Leidenschaft der Fotografie. Zahlreiche Reise- und Naturaufnahmen entstehen, gerne auch in quadratischem Format. Die Kamera ist ständiger Begleiter – auch bei seinen Touren durch den Schwarzwald.

Im kleinen Heimstudio sind hingegen die Trachten-Porträts entstanden – das erste mit der Tracht der Großmutter seiner Freundin. Dann hat Wehrle immer weitere Freunde, Bekannte und auch ein paar Models vor seine Kamera gelockt, hat von Trachtenvereinen immer weiter Kleider geliehen bekommen – und mit Hilfe von zwei Visagistinnen staunenswerte Frauen- und Männergesichter mit großen Augen und enormer Ausstrahlung festgehalten. Sehenswert!