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Großartige Akustik, tolle Atmosphäre: Das Jubiläumsfestival „Rossini in Wildbad“ ist spektakulär eröffnet worden. Foto: Molnar
Großartige Akustik, tolle Atmosphäre: Das Jubiläumsfestival „Rossini in Wildbad“ ist spektakulär eröffnet worden. Foto: Molnar
13.07.2018

Festival „Rossini in Wildbad“ auf dem Baumwipfelpfad eröffnet

Bad Wildbad. Einen Fußmarsch hoch über Bad Wildbad haben die 450 Gäste auf sich genommen. Am Ziel angekommen, heißt es noch bis zu acht spiralförmige Runden zum Sitzplatz zu erklimmen – um mit einer herrlichen Aussicht und Akustik belohnt zu werden. Mit einem atmosphärisch außergewöhnlichen Konzert wird das 30. Belcanto-Opern-Festival „Rossini in Wildbad“ auf dem 40 Meter hohen Turm des Baumwipfelpfads eröffnet.

Der mit dem Traktor transportierte Flügel steht schon bereit – auf der Plattform am Eingang der Tunnelrutsche. In Jacken gehüllt warten die Solisten und der Górecki Chamber Chor des Festivals auf ihren Einsatz, der veronesische Pianist Giancarlo Rizzi übt noch fleißig ein paar Stellen.

Auf dem Programm stehen passende Gelegenheitswerke von Rossini, die er für Geburtstage oder zur Aufführung im Freien komponiert hat. Die Kantate „Egle ed Irene“ für Sopran und Contralto hat der vor 150 Jahren verstorbene Maestro etwa seiner damaligen Geliebten, einer Witwe, gewidmet. Es geht um zwei Schwestern, bei der die eine die andere aufmuntert. Dieses Duett gelingt der Sopranistin Maria Rita Combattelli und der Mezzosopranistin Albane Carrère lebhaft und harmonisch.

Kraft und Ausstrahlung

Bei „L’ Aurora“, einer Kantate für Contralto, Tenor und Bass von 1815, hat Carrère nur eine kurze, aber umso nachdrückliche Partie. Stolz und perlend leicht – ähnlich dem wunderbaren Anschlag des begleitenden Pianisten – bringt sie ihre dunkle und mühelos geführte Stimme zum Klingen. Mit lyrischem Schmelz und Hingabe erwidern der chinesische Tenor Xiang Xu und der italienische, in Wildbad bereits bekannte Bass Giulio Mastrototaro. Im Duett und im Wechsel haben die beiden die Kantate, deren russische Volksmelodie Rossini im Finale seiner Oper „Der Barbier von Sevilla“ weiterverwendet hat, auch eingeleitet. Der Tenor verfügt über eine leicht nasale, aber sehr lichte, schlanke Stimme. Der eher baritonal gefärbte Bass überzeugt mit sonorer Kraft und Ausstrahlung – auch bei seiner Solo-Arie „Edipo“ aus Rossinis „Edipo coloneo“, die er ruhig und trotzdem temperamentvoll präsentiert.

Aus der Ödipus-Bühnenmusik von 1815 stammen auch die Stücke „La foi“ und L’ espérance“ der „Trois chœurs religieux“ für Frauenchor, die ursprünglich für Männerchor in italienischer Sprache geschrieben waren. 1844 hat Rossini sie umgearbeitet und noch das dritte Stück „La charité“ mit Sopransolo dazugeschrieben – diesmal auf Französisch. Gerade dieses klingt auf dem Sommerberg besonders reizvoll, melodiös fließend und elegant. Mal erhebt sich die volumensichere Stimme der zierlichen Sopranistin über dem Frauenchor, mal entfaltet sie ihre warme Mittellage in Solopassagen.

Wie bestechend klar die Akustik ist, zeigt sich auch im zarten A-cappella-Gesang des gemischten Chors bei „O salutaris hostia“ – jede noch so leise Stelle ist zu hören. Unter dem präzisen Dirigat von Davide Dellisanti erklingt zum Abschluss und nochmals als Zugabe die sowohl getragene als auch heitere Taufkantate „O giorno sereno“ für Olimpo Aguado in der Kammerfassung. Die weichen Stellen obliegen den Solisten jeweils im Duett, die im Kontrast dazu freudig springenden – dem Chor. Viel Beifall.