nach oben
Großer Applaus für die Akteure Michael Nagl (Bass), Remus Alazaroae (Tenor), Aiste Miknyte (Sopran) sowie Anna Hybiner, Mezzosopran (von links). volker henkel
Großer Applaus für die Akteure Michael Nagl (Bass), Remus Alazaroae (Tenor), Aiste Miknyte (Sopran) sowie Anna Hybiner, Mezzosopran (von links). volker henkel
19.10.2015

Festkonzert der Gottlob-Frick-Gesellschaft im Mühlehof

Musikalität, Gesangstechnik, Bühnenpräsenz und Stimmqualität sind die Kriterien, nach denen Opernsänger beurteilt werden. In allen diesen Bereichen zeichneten sich die jungen Sänger aus, die mit einem üppigen Strauß glanzvoller Arien und Opernszenen den Festakt und das traditionelle Konzert zum Künstlertreffen der Ölbronner Gottlob-Frick-Gesellschaft im Mühlacker Mühlehof gestalteten.

Einfühlsam begleitet wurden sie dabei vom Heilbronner Sinfonie Orchester. Wie „wach geküsst“ musizierte das Ensemble unter der Leitung von Alois Seidlmeier, dem neuen Chef der Opernabtei-lung an der Karlsruher Musikhochschule, nicht nur die ins Programm eingestreuten Ouvertüren – also eine Gala für Liebhaber der Oper.

Die Frick-Gesellschaft zeigte, wie lebendig das Genre nach wie vor ist, wie mitreißend Nachwuchstalente auf der Bühne agieren, so dass mancher der unten im Publikum sitzenden Altvorderen, der weltbekannte Bassist Matti Salminen beispielsweise, ins Staunen geriet. Denn da präsentierte sich in gleicher Stimmlage der 20-jährige (!) Michael Nagl, der schon als Solist im Wiener Mozart-Knabenchor eine Berühmtheit war. Hinreißend buffonesk seine Arie „Non più andrai“ aus Mozarts „Le nozze di Figaro“, tiefschwarz und robust die langen Haltetöne in Leporellos „Madamina, il catalogo è questo“ aus „Don Giovanni“, ein Siegertyp in Lortzings „Wildschütz“-Arie „Fünftausend Taler“, in die Nagl spontan die Ankündigung einstreute, er wolle für „das Moos“ den (zum Abriss anstehenden) Mühlehof kaufen und damit die Lacher auf seiner Seite hatte.

Dann stellte sich mit tenoralem Überschwang der Rumäne Remus Alazaroae vor, der als Orchester-Oboist tätig war, bevor seine Sänger-Begabung entdeckt wurde. Sein klangschönes Timbre ist traumhaft klar. Er beherrscht den Belcanto-Stil in allen Finessen, was er mit hoher Emotion in der Romanze des Nemorino aus Donizettis „Liebestrank“, in der von den Zuhörern bejubelten „Zarastra“-Arie aus Massenets „Le mage“ und vor allem mit einem strahlenden Abschluss in „La donna è mobile“ aus Verdis „Rigoletto“ demonstrierte.

Als Sopranistin mit glockenreiner Intonation und feiner Lyrik brillierte Aiste Miknynte aus Litauen. Ihr „Lied der Rusalka“ aus Dvoráks Märchenoper erntete Bravos, ihre „Briefszene der Tatjana“ aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ erzählte von großer Leidenschaft. Natürlich gehörte die wilde, von Anna Hybiner mit farbintensiv kehliger Stimme interpretierte Habanera „L’amour est un oiseau rebelle“ aus Bizets „Carmen“ zu den Highlights. Die Mezzosopranistin machte übrigens erste Bühnenerfahrungen am Pforzheimer Stadttheater.

Das Festkonzert mündete in eine fulminante Wiedergabe des „CanCan“ aus Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt“ ein und in einen Appell des Ehrenvorsitzenden der Frick-Gesellschaft, Hans A. Hey, der von der Stadt Mühlacker als Ersatz für den Mühlehof einen gleichwertigen Konzertsaal einforderte.