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Erstmals in Doppelfunktion: Timo Handschuh dirigiert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim von der Orgel aus.  Molnar
Erstmals in Doppelfunktion: Timo Handschuh dirigiert das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim von der Orgel aus. Molnar
31.10.2016

Festkonzert in Würm: Timo Handschuh leitet das SWDKO als Organist

Nicht nur die Zuhörer sehen ihn dieses Mal von hinten – den Dirigenten des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim. Beim Festkonzert zum 500. Jubiläum der evangelischen Kirche in Würm achten auch die Musiker auf die Zeichen, die Timo Handschuh mit dem Rücken zu ihnen gibt. Erstmals fungiert der Chefdirigent und ausgebildete Organist in der Doppelrolle als Orchesterleiter und Solist.

„Das ist eine besondere Premiere, genießen Sie es“, verspricht Ortsvorsteher Rüdiger Nestler nicht zu viel.

Denn obendrein hat das Südwestdeutsche einige reizvolle Werke mitgebracht, die nur selten zu hören sind – Georg Christoph Wagenseils Konzert für Orgel und Streicher Nr. 6 G-Dur zum Beispiel, welches das Orchester vor Jahren als Ersteinspielung auf CD veröffentlichte. Wagenseil war im 18. Jahrhundert Hofkomponist und Organist am kaiserlichen Hof in Wien. Nach der frischen Eröffnung mit Mozarts Mailänder Sinfonie KV 155 nimmt Handschuh an der kleinen Orgel von 1991 Platz. Mit deutlich hörbarem Einatmen gibt er den Einsatz, wechselt im Fortgang dynamisch mit dem Orchester ab und lässt die frech hüpfende Melodie leicht ins Ohr gehen. Noch mehr Aufmerksamkeit bekommt der Solist im zweiten, sehr zart registrierten Satz, dem ein quirliges Finale folgt. Insgesamt beschränkt sich Handschuh auf wenige subtile Registerfarben, die gut zu dem liedhaft wirkenden Werk passen.

Bei Händels erstem Orgelkonzert g-Moll op. 4 legt er dann nach, versucht auszuloten, was die zweimanualige Orgel an Klängen hergibt. Schon der Anfang des Kopfsatzes klingt voller, wenn auch nicht mächtig laut. Neben dem reich an Trillern verzierten Spiel dreht sich der Organist nun öfter zum aufmerksam agierenden Orchester um. Vor allem beim Allegro wechselt Handschuh stetig ab, wählt Prinzipale, Flöten und viele andere Registerfarben.

Für eine Orgelwalze geschrieben, aber in der Fassung für Streichorchester aufgeführt, wurde Mozarts Fantasie f-Moll KV 608. Ein düsteres Spätwerk, das als Trauermusik in einem Wiener Wachsfigurenkabinett diente. Zu Ehren eines verstorbenen Generals wurde das Werk dort mittels einer mechanischen Orgel immer wieder abgespielt. Das SWDKO bringt es sehr eindrucksvoll zur Geltung: In den beiden Allegro-Sätzen dominiert das energische Marschthema, dem am Schluss viel Unruhe in Form von kontrapunktischen Passagen folgt. Bei den Variationen im Andante sind es vor allem die ersten Violinen, die den lieblich-hellen Ton angeben; gegen Ende wird dieser zunehmend dichter und geht direkt ins Allegro über. „Ein britischer Glanz ist auch für Würm angebracht“, sagt Handschuh und präsentiert als Zugabe Händels feierliche Feuerwerksmusik – als Dirigent und Organist.