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Gleich dreimal „Lulu“ unter einem Himmel mit Gummibällen. Foto: Festspiele
Gleich dreimal „Lulu“ unter einem Himmel mit Gummibällen. Foto: Festspiele
20.08.2017

Festspiele in Salzburg erleben mit Schauspiel-Inszenierung einen Skandal

Salzburg. Das Atelier des Malers gleicht einer riesigen Gebärmutter samt Eierstock. Von links hinten robbt unter Stöhnen und Grunzen ein waberndes Paket heran, aus dem Arme und Beine ragen. Unter dem beiläufigen Geplauder des Malers und seines Kunden, dem Dr. Goll, der ein Porträt seiner Gattin Lulu in Auftrag gegeben hat, entwinden sich dem Paket drei junge Frauengestalten, drei Lulus. Das wirkt wie die Häutung eines Insektes oder die Geburt eines schleimigen Aliens.

Von oben hängen ein gutes Dutzend großformatige Gummibälle herab, die sich heben und senken: Das ist der bizarre Beginn einer umstrittenen Neuinszenierung von Frank Wedekinds „Lulu“ am Donnerstagabend bei den Salzburger Festspielen.

Es scheint, als habe die griechische Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari mit ihrem Theaterdebüt, der letzten Station des diesjährigen Premierenreigens, doch noch einen mittleren Skandal beschert. Nach etwa zwei Dritteln der Zwei-Stunden Aufführung, die keine Pause hat, verließen erste Zuschauer die Spielstätte. Am Ende des Spektakels gab es nur matten Applaus für die teils hervorragenden Akteure. Dann hatten die Premierengäste den Eindruck, als müsse das Regieteam mehr oder weniger gewaltsam auf die Bühne gezerrt werden. Dort wurden Tsangari und Co. mit heftigen Buhs und Pfiffen empfangen.