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Stellt in Pforzheim seinen Film vor: Jens Wischnewski. Foto: Frommer
Stellt in Pforzheim seinen Film vor: Jens Wischnewski. Foto: Frommer
06.06.2017

Filmdebüt von Jens Wischnewski ist großer Erfolg

Pforzheim. Was für ein Spielfilmdebüt! Mit „Die Reste meines Lebens“ macht Jens Wischnewski (35) den Zuschauer zum Komplizen von Schimon May, dessen Welt nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Frau völlig aus den Fugen zu geraten droht.

Dem jungen Regisseur gelang mit dem 108-minütigen Film in mehrfacher Hinsicht ein großer Wurf, denn der in Karlsruhe gedrehte Low-Budget-Streifen ist mit Christoph Letkowski, Louise Heyer, Karoline Bär, Ulrike Kriener, Christian Grashof, Daniel Arthur Fischer und Irene Rindje nicht nur exzellent besetzt, sondern er überzeugt darüber hinaus mit einer klug inszenierten Mischung aus allerlei Katastrophen und erholsamer Heiterkeit. „Ich habe nach etwas gesucht, um das Traurige des Films zu brechen“, sagte Wischnewski im Rahmen der Premierenvorstellung im Kommunalen Kino. Und: „Ich wollte den Film etwas über die Realität heben, ihm etwas Poetisches geben.“ Dennoch blitzt das Schicksalhafte in Schimon Mays, längst an eine Achterbahnfahrt erinnernden Leben immer wieder jäh auf.

Wischnewskis Film wurde Ende Januar beim Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken mit dem Fritz-Raff-Drehbuchpreis ausgezeichnet. In ihrer Begründung schrieb die dreiköpfige Jury über den Plot: „Eine Hauptfigur, die zu keiner Zeit weiß, was sie tut. Ein Film, der wild durcheinander erzählt, aber in jedem Moment weiß, wo er mit uns hin will. Die Autoren reihen die größten vorstellbaren Schrecklichkeiten aneinander – und das mit Witz, Wärme und Mut zur Ratlosigkeit. Liebe, Trauer und Bert Kaempfert.“

Und dabei ist nicht an die vielleicht allzu glatten Merksätze von Schimons Großvater gedacht, sondern beispielsweise an den Moment, in dem Schimon am Sarg seiner Frau Jella laut die Sorge umtreibt: „Auf dem Rücken kann sie eigentlich nicht schlafen“.

In Pforzheim räumte Regisseur Wischnewski ein, sein Film sei nicht „küchenrealistisch“ erzählt, sondern lasse bewusst auch „Märchenmomente anklingen“. Wohl wahr. Sehenswert sind „Die Reste meines Lebens“ in jedem Fall. Und ganz nebenbei: Der facettenreiche Soundtrack von Peter Thomas Gromer ist feinster Klangzauber.