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Stolz: Regisseur Lav Diaz. ONORATiI
Stolz: Regisseur Lav Diaz. ONORATiI
12.09.2016

Filmfest Venedig: Paula Beer gewinnt als beste Nachwuchsschauspielerin

Venedig. Die Aufregung ist ihr zunächst nicht anzumerken. Gerade erst hat die 21-jährige Paula Beer beim Filmfest Venedig die Auszeichnung als beste Nachwuchsschauspielerin angenommen.

„Ich kann nicht glauben, dass ich hier stehe“, sagt sie am Samstagabend in perfektem Englisch vor Hunderten Galagästen – und kämpft dann doch mit den Tränen. Besonders emotional wird sie, kurz bevor sie von der Bühne geht. Da streckt sie ihre Trophäe in die Höhe und dankt ihrer „Mama“.

Es ist die dritte Auszeichnung für eine deutsche Darstellerin in der Geschichte des Festivals. Als beste Schauspielerin waren Katja Riemann (2003/„Rosenstraße“) und Lilli Palmer (1953/„Das Himmelbett“) ausgezeichnet worden. Die Jury würdigt damit Beers nuanciertes Spiel in dem Drama „Frantz“, in dem der Franzose François Ozon eine berührende Geschichte von Vergebung und Annäherung verfeindeter Gesellschaften nach dem Ersten Weltkrieg erzählt. Beer spielt – auf Deutsch und Französisch – eine junge Frau, die um ihren gefallenen Verlobten trauert, sich dann aber mit einem französischen Soldaten anfreundet.

Es war der erste große Preis des Abends, wenige Momente später ging die höchste Auszeichnung des Festivals zum ersten Mal in die Philippinen: Regisseur Lav Diaz gewann überraschend den Goldenen Löwen für sein Drama „The Woman Who Left“. „Dies ist für mein Land, für mein Volk, für unseren Kampf und den Kampf um Menschlichkeit“, rief Diaz. Sein knapp vierstündiges Drama in Schwarz-Weiß erzählt von Korruption und Armut. Er fokussiert dabei auf eine Frau, die 30 Jahre lang zu Unrecht im Gefängnis saß. Als sie freikommt, steht sie vor den Scherben ihres Lebens.

Überhaupt standen in den Beiträgen oft Frauen im Mittelpunkt, und das spiegelte sich auch in den verliehenen Preisen wider: Der Spezialpreis der Jury ging an das Kannibalendrama „The Bad Batch“ der Regisseurin Ana Lily Amirpour. Für das beste Drehbuch wurde Noah Oppenheim ausgezeichnet. Er erzählt in „Jackie“ vom Attentat auf den US-Präsidenten John F. Kennedy im Jahr 1963 – aus Sicht von dessen Ehefrau Jackie (verkörpert von Natalie Portman). Hollywoodstar Emma Stone wiederum überzeugte in dem nostalgisch-beschwingten Musical „La La Land“ und gewann dafür die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin.

Zwei deutsche Koproduktionen gewannen zu gleichen Teilen die Trophäe für die beste Regie: Der Mexikaner Amat Escalante kreierte mit „The Untamed“ ein science-fiction-artiges Drama über Lust und Sex mit einem Alien, während der Russe Andrej Kontschalowski in „Paradise“ von den Gräueln in einem Nazi-Vernichtungslager erzählte.