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Emma Stone mit Fan beim Auftakt der Filmfestspiele in Venedig. Foto: Ferrari
Emma Stone mit Fan beim Auftakt der Filmfestspiele in Venedig. Foto: Ferrari
01.09.2016

Filmfestspiele in Venedig: „Wir brauchen mehr Hoffnung auf der Leinwand“

Venedig. Terroranschläge, Amokläufe, Erdbeben: Die Realität ist derzeit oft schwer zu ertragen. Manchmal möchte man von all den schlechten Nachrichten und Katastrophen nichts mehr wissen und sehnt sich nach Ablenkung. Das Kino war schon immer so eine Fluchtmöglichkeit, die einen zumindest für die Länge eines Filmes vieles andere vergessen lässt. Auch deswegen passt der Eröffnungsbeitrag beim italienischen Festival Venedig bestens: Mit „La La Land“ stand gestern Abend ein nostalgisches und knallbuntes Musical mit Emma Stone und Ryan Gosling als Auftakt für die 73. Internationalen Festspiele auf dem Programm.

Gleich in der ersten Szene setzt US-Regisseur Damien Chazelle den Ton für die folgenden zwei Stunden: Auf einem völlig verstopften Highway in Los Angeles entladen die wartenden Autofahrer ihre Energie in einer rasanten, gutlaunigen Musicalsequenz. Die ist außerdem der Beginn einer Liebesgeschichte: Jazz-Enthusiast Sebastian (Gosling) und die junge Schauspielerin Mia (Stone) lernen sich durch Zufall kennen und lieben.

„Ich glaube, wir brauchen jetzt mehr denn je Hoffnung und Romantik auf der Leinwand“, sagte Regisseur Chazelle gestern in Venedig. Gerade Musicals verkörperten die Idee von Filmen als Traumland, „als Sprache unserer Träume“.

Feiern ließen sich auch die Jurymitglieder wie „Spectre“-Regisseur Sam Mendes und die deutsche Schauspielerin Nina Hoss auf dem roten Teppich. Der britische Oscarpreisträger Jeremy Irons kam, um dem polnischen Regisseur und Schauspieler Jerzy Skolimowski („Essential Killing“) den Ehrenlöwen fürs Lebenswerk zu überreichen.

Trotz aller Leichtigkeit lässt sich die Realität aber natürlich auch auf dem venezianischen Lido nicht ausblenden. Nach den Terrorattacken der vergangenen Monate gilt verstärkte Vorsicht: Die Straßen rund ums Festivalgelände sind mit Betonblöcken für Autos gesperrt. Polizisten mit Maschinenpistolen sichern Kontrollpunkte.

Möglicherweise wird am 10. September dann ein Film mit politischen oder sozialkritischen Tönen mit dem Goldenen Löwen geehrt. Für die internationale Jury steht das allerdings nach eigener Aussage nicht im Vordergrund. „Ich freue mich so darauf, ganz unvoreingenommen die Filme im Wettbewerb anzugucken“, sagte Nina Hoss. Ähnlich äußerte sich Jury-Präsident Sam Mendes. „Ich kenne meine Kriterien für herausragende Filme nicht. Ich werde sie aber erkennen, wenn ich einen sehe“, meinte der britische Regisseur („Spectre“).