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Ein Hauch von Paradies-Insel: Bei der Operette „Die Blume von Hawaii“ brillieren unter anderem die Hauptdarsteller (Mitte) Thérèse Wincent (Laya) und Albrecht von Stackelberg (Kapitän Stone). Haymann
Ein Hauch von Paradies-Insel: Bei der Operette „Die Blume von Hawaii“ brillieren unter anderem die Hauptdarsteller (Mitte) Thérèse Wincent (Laya) und Albrecht von Stackelberg (Kapitän Stone). Haymann
21.03.2016

Filmreife Traumwelt: Operette „Die Blume von Hawaii“ feiert Premiere

Ein Happy End mit vier glücklichen Paaren: So etwas gibt es nur im Film. Und als solchen hat Marcel Keller die Operette „Die Blume von Hawaii“ auch in Szene gesetzt.

Nach 30 Jahren feiert das Erfolgsstück von Paul Abraham aus den 1930er-Jahren wieder Premiere am Theater Pforzheim – mit Meeresrauschen, heißen Tänzen und schönen Frauen in grünen Baströcken. Serviert wird die märchenhafte Geschichte aber mit Irrwitz und stetem Augenzwinkern. Da sitzt Prinz Lilo in der Badewanne, taucht ab und landet in einer Traumwelt mit Schwimmbad und kopfüber hängenden Palmen. Da planschen Schwimmer mit Taucherbrille und Flossen. Nackte Männer tanzen mit Handtuch, auch schillernde Jazzsänger swingen übers Tanzparkett.

Prinzessin liebt Kapitän

Die Handlung ist leicht gestrickt: Hawaii ist von den Amerikanern besetzt. Prinzessin Laya lebt in Paris, kehrt aber – in Gestalt des Revuestars Suzanne Provence – in die Heimat zurück. Sie soll Prinz Lilo Taro heiraten und Königin werden. Dieser liebt sie, doch Layas Herz schlägt für Kapitän Stone. Auch die Besatzungsmacht versucht, den Plan zu verhindern. Nach der blumig-bunten Inselszenerie tauchen alle – durch die Badewanne – in der Garderobe der Revuesängerin auf, wo zwei Regiestühle stehen und ein Filmstudio zum Vorschein kommt. Alles war inszeniert. Das große Finale im dritten Akt spielt dort, wo die Geschichte im dazu erfundenen Badewannen-Vorspiel begonnen hat. Die Pforzheimer Inszenierung macht Laune und lässt Ohrwürmer wie „My golden Baby“ oder „Wir singen zur Jazzband“ nachklingen. Ihr Reiz liegt – neben den farbenfrohen Kostümen und Kulissen – gerade in der Musik, die ein Klangbild der Zeit vermittelt.

Langsame Walzer, Foxtrott, Märsche – sie klingen wie vor 90 Jahren. Der musikalische Leiter Tobias Leppert, in Hawaiihemd dirigierend, hat die bestens aufgelegte Badische Philharmonie zur Jazz-Band umfunktioniert, indem er den Streicher- und Holzbläserapparat reduziert und die Blechbläser stärker besetzt hat. Mit Dämpfern sorgen diese für nostalgische Klänge, wie beim langsamen Titellied „Blume von Hawaii“. Auch Gongs und andere exotische Klangeffekte wirken.

Hawaiianischer Liebeszauber

Einen lebhaften Eindruck machen die Solisten, allen voran das Buffo-Paar Patrick Nitschke als herrlich verklemmter John Buffy und Anne Steffens als quirlige Bessie, die ihre Reize ausspielt und mittels „hawaiianischem Liebeszauber“ mannstoll wird. Ihr Tanzduett „Ich hab ein Diwanpüppchen“ ist mitreißend. Gesanglich glänzt Tenor Reto Rosin als Prinz Lilo, zum Beispiel bei „Ein Paradies am Meeresstrand“, aber auch Thérèse Wincent in ihrer Doppelrolle als Prinzessin Laya und Suzanne Provence. Ihr strahlender Sopran kommt an der Seite des lyrischen Baritons, Albrecht von Stackelberg als adretter Kapitän Stone, gut zur Geltung. Ihre Duette „Will Dir die Welt zu Füßen legen“ und „Du traumschöne Perle der Südsee“ sind wahre Liebesschnulzen. Bass Klaus Geber gibt einen strengen Kaluna Hilo, Spencer Mason einen lässigen Gouverneur Harrison mit amerikanischem Dialekt. Kraftvoll auch Bass Cornelius Burger als Jazzsänger Jim Boy, der mit Lisa Wittig als verführerische Raka anbändelt. Neben prachtvollen Chorszenen gibt es auch neckische Balletteinlagen, die zwischen traditionellem Hula und marionettenhaftem Modetanz changieren. Wenn auch nicht alles gesanglich klappt und das Orchester bisweilen vor Überschwang zu laut wird – das Pforzheimer Stück kann sich sehen und hören lassen.