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In Brechts „Dreigroschenoper“ geht es um Geld, Geld und nochmals Geld. Ein Thema, das Stadttheater und Gemeinderäte auch gerade heftig bewegt.
In Brechts „Dreigroschenoper“ geht es um Geld, Geld und nochmals Geld. Ein Thema, das Stadttheater und Gemeinderäte auch gerade heftig bewegt.
08.12.2016

Finanzausschuss stimmt Kürzungen im Kulturetat von fast 540000 Euro zu

Ob das so funktioniert? Denn wenn die stellvertretende Kulturamtsleiterin Angelika Drescher das Ziel der geforderten Einsparmaßnahmen so definiert: „Wir wollen keine Einrichtung durch die Kürzungen in ihrer Existenz gefährden und die kulturelle Vielfalt erhalten“ – dann schleicht sich zumindest der Gedanke ein, dass manches auch kaputtgespart werden kann.

„Noch funktioniert’s“, sagt Theater-Verwaltungschef Uwe Dürigen und meint damit das Drei-Sparten-Theater. Allerdings: Der Haushalt der Bühne – gerade um über 600 000 Euro gekürzt – ist auf allerengste Kante genäht. Dass es nicht nur dem Stadttheater so geht, ist den Gemeinderäten im Finanzausschuss klar, als sie sich am gestrigen Nachmittag mit dem Streichkonzert im Kulturbereich beschäftigen.

Diskussion über Buskosten

Größere Diskussionen und erfolgreiche Anträge bleiben aus. Lediglich beim Theater entspinnt sich eine kurze Diskussion, schlägt doch Grüne-Liste-Stadtrat Axel Baumbusch vor, die mit 95 000 Euro veranschlagten Bustransportkosten zu streichen. Denn: „Wir subventionieren hier den Enzkreis dreifach: schon beim Ticket, dann beim Abonnement und dann noch bei der Busfahrt.“ Doch dem widerspricht nicht nur Oberbürgermeister Gert Hager heftig, werde doch gerade mit den Busstransfers ein Großteil der Abonnenten angesprochen. Und man sei schließlich in Verhandlungen mit dem Enzkreis, der Landkreis Calw habe seinen Zuschuss ja bereits auf 20 000 Euro erhöht. Ähnlich sieht das SPD-Stadtrat Ralf Fuhrmann: „Es ist letztlich auch unsere Aufgabe, mit den Parteikollegen vom Kreistag zu reden.“ Zumal die angesprochenen 95 000 Euro für alle Bustransporte – auch innerhalb der Stadt – verwendet werden, die Enzkreis-Abonnenten einen Anteil selbst tragen und der 30 000-Euro-Zuschuss, den der Kreis dem Theater jährlich gewährt, die Buskosten deckt.

Ähnlich erfolglos – mit gerade einer Zustimmung – wird der Antrag von Bernd Grimmer (AfD) aufgenommen, den Zuschuss für das Kommunale Kino komplett zu streichen und – bei zwei Zustimmungen – der Antrag von Christof Weisenbacher (WIP/LE/Linke), die ab dem Jahr 2020 geplante Zuschussreduzierung beim Kulturhaus Osterfeld von 144 000 Euro durch die Erhöhung der Parkgebühren abzumildern.

Doch wo spart das Kulturamt nun die geforderten 539 000 Euro in den Jahren 2017 bis 2021 ein? Auf jeden Fall nicht bei der kulturellen Bildung, denn die sei in einer Stadt wie Pforzheim extrem wichtig. Was sich, so Angelika Drescher (bis vor knapp zwei Wochen noch Müller-Tischer) allein schon an der Zahl der Veranstaltungen ablesen lasse: Gab es im vergangenen Jahr noch 550 Termine in diesem Bereich – unter anderem im Stadtlabor – so seien es bis November 2016 bereits 726.

Gespart wird zum einen dadurch, dass beliebte Veranstaltungen nur noch im zweijährigen Turnus, wie die „Grüntöne“ im Stadtgarten, oder dreijährig, wie die Verleihung des Reuchlinpreises, stattfinden. Da aber der Etat des Kulturamts zu 64 Prozent aus Zuschüssen für kulturelle Träger besteht, wird hier besonders kräftig der Rotstift angesetzt. Das reicht von 100 Euro weniger für die „Freunde der Schloßkirche“, die ab 2017 noch 3900 Euro jährlich erhalten, über die Galerie Brötzinger Art (minus 400 Euro, jetzt 18 500 Euro), den Barzuschuss an den Kunstverein (minus 700 Euro, jetzt 34 100 Euro), bis zur Halbierung des Zuschusses an den Oratorienchor (jetzt 16 200 Euro) und den großen Batzen: Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim könne für das Jahr 2018 maximal Zuschusskürzungen von 35 000 Euro „verkraften“, die Jugendmusikschule maximal 25 000 Euro. Ob es mit der vorgeschlagenen organisatorischen und räumlichen Zusammenlegung klappen wird, kann Drescher nicht sagen: „Im Januar liegen erste Erkenntnisse vor.“ Erkennbar ist allerdings, dass angesichts der notwendigen Sparmaßnahmen bei den meisten Kulturträgern nichts schiefgehen darf. Uwe Dürigen listet in seinem Kurzvortrag die Risiken – fast schon exemplarisch – auf: Sponsorgengelder sind nicht berechenbar. Und: „Wir müssen von der Projektförderung hin zur institutionellen Förderung kommen“, sagt er. Will heißen: Ein Sponsor fördert nicht mehr ein prestigeträchtiges Event, sondern die Bühne über das ganz Jahr hinweg. Einkalkuliert ist auch die hohe Nachfrage an Gastspielaufträgen, die der Bühne in diesem Jahr rund 400 000 Euro bescherten – „doch das ist immer marktabhängig“. Schwierig vorherzusehen ist ebenfalls die Höhe der Tarifabschlüsse: Da kommen dann gerne mal – wie gerade rückwirkend – rund 175 000 Euro zusätzlich auf die Bühne zu. Die Personaldecke ist eng und die Belastung angesichts der vielen Gastspiele hoch: Erkrankungen im Ensemble sind fast schon programmiert. Auch vor „unvorhergesehene technischen Ausfällen“ ist das Theater bei 370 Vorstellungen pro Spielzeit nicht sicher. Zudem: „Unser Flachdach ist jetzt 25 Jahre alt.“ Selbst das Tafelsilber glänzt nur noch matt. Bis zum Jahr 2019 sind die Rücklagen der Bühne auf rund 500 000 Euro abgeschmolzen. „Ohne Netz und doppelten Boden“, beschreibt Uwe Dürigen die Situation. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Bühne und allen anderen Kulturträgern kein salto mortale bevorsteht.