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Das Kammerorchester – hier bei einem Konzert mit Chefdirigent Timo Handschuh – exisitiert seit 1950. Foto: Ketterl
Das Kammerorchester – hier bei einem Konzert mit Chefdirigent Timo Handschuh – exisitiert seit 1950. Foto: Ketterl
12.05.2017

Freie Wähler werfen dem SWDKO „Misswirtschaft“ vor

Mit scharfen Worten haben die Freien Wähler die städtische Bezuschussung des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim (SWDKO) kritisiert. In einer Pressemitteilung werfen sie dem Kammerorchester „Misswirtschaft“ vor.

Pforzheim. Mit scharfen Worten haben die Freien Wähler die städtische Bezuschussung des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim (SWDKO) kritisiert. In einer Pressemitteilung werfen sie dem Kammerorchester „Misswirtschaft“ vor. Seit 2013 habe sich trotz siebenstelliger Zuschüsse das negative Betriebsergebnis erhöht, heißt es in der Mitteilung. Der Gemeinderat habe immer ein Auge zugedrückt und die Defizite ausgeglichen.

Obwohl das Orchester im vergangenen Jahr einen Zuschuss von 1,18 Millionen Euro – 577.000 von der Stadt Pforzheim, 603.000 vom Land Baden-Württemberg – erhalten habe, habe sich dennoch ein Jahresfehlbetrag von 65.000 Euro ergeben. Nun schlage die Verwaltung einen erneuten, außerplanmäßigen Zuschuss für das Geschäftsjahr 2016 von rund 166.000 vor, der laut den Freien Wählern „hübsch verpackt“ sei: nämlich als direkter Zuschuss über 66.000 Euro bei gleichzeitiger Zahlung von 100.000 Euro in die Rücklagen des Orchesters.

Dieses Verfahren kritisiert auch Stadtrat Axel Baumbusch von der Grünen Liste. „Für den direkten Zuschuss sind wir zu haben, für die Zahlung in die Rücklage sehen wir keine Notwendigkeit.“ Wer gefüllte Reserven habe, sei nicht versucht, „ganz so sparsam“ zu sein, so Baumbusch. Er plädiert in Bezug auf das Kammerorchester für eine grundsätzliche Diskussion. „Wir müssen uns fragen, ob wir das Kammerorchester wollen oder nicht.“ Wenn es gewollt sei, müsse es auch ausreichend finanziell ausgestattet sein. „Sonst haben wir jedes Jahr das gleiche Problem.“

Die Freien Wähler nennen in ihrer Mitteilung noch weitere Kritikpunkte: unter anderem die gestiegenen Personalkosten und die ihrer Ansicht nach geringere finanzielle Belastung des Orchesters im Vergleich mit anderen Kulturinstitutionen der Stadt.

Diesen Vorwürfen widerspricht Andreas Herrmann, der Geschäftsführer des Kammerorchesters. Das Kammerorchester habe in den vergangenen Jahren „regelmäßig und erfolgreich Anstrengungen unternommen, die fehlenden Mittel durch Einsparungen und eine deutliche Steigerung der Einnahmen auszugleichen“. Trotzdem sei es 2016 nicht gelungen, ein Defizit zu vermeiden. Es würden aber weitere Maßnahmen ergriffen – und das Kammerorchester müsse entsprechend dem Haushaltssicherungskonzept „ebenso schmerzhafte Kürzungen wie die anderen Kulturträger verkraften“. Diese Einsparungen versuche das Orchester mit verschiedenen Maßnahmen zu erreichen – „wie der Streichung des 13. Monatsgehalts, der Aussetzung von Tariferhöhungen und der Steigerung der Einnahmen durch Preiserhöhungen“.