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Friedrich Weinbrenner wurde 1766 in Karlsruhe geboren.  Städtische galerie
Friedrich Weinbrenner wurde 1766 in Karlsruhe geboren. Städtische galerie
Auch das Schloss Bauschlott stammt von Weinbrenner.  PZ-Archiv
Auch das Schloss Bauschlott stammt von Weinbrenner. PZ-Archiv
Die Evangelische Stadtkirche ist das Zentrum von Weinbrenners Plan für Karlsruhe. Ideen für die Gestaltung hat er durch einen Aufenthalt in Rom erhalten.
Die Evangelische Stadtkirche ist das Zentrum von Weinbrenners Plan für Karlsruhe. Ideen für die Gestaltung hat er durch einen Aufenthalt in Rom erhalten.
Haus des Regierungsrats Reinhard am heutigen Karlsruher Lidellplatz.
Haus des Regierungsrats Reinhard am heutigen Karlsruher Lidellplatz.
25.09.2015

Friedrich Weinbrenner hat die Architektur der Region stark geprägt

Es ist ein kühner Plan. Und Weinbrenner geht aufs Ganze. Mit Pforzheim hat der Großherzoglich Badische Baumeister Großes vor. Um die mittelalterlichen Mauern legt er einen Ring aus Bäumen. Allen sollen ringsum die Stadt einfassen, die im alten Gemäuer noch im Schlummer vor dem Schmuckboom liegt.

Aber man lässt ihn nicht. Keine Alleen um die Stadt, keine Bäume, keine Ringstraße. Erst der Cityring fährt die Weinbrenner’sche Linie nach, pflügt sich durchs graue Häusermeer, dort wo Weinbrenner Samen säen wollte. Er durfte nicht.

In anderen Städten aber darf er. Karlsruhe baut er fast im Alleingang – und auch das badische Land überzieht er mit den abgespeckten Versionen seiner erhabenen Stadtarchitektur. „Er baut wie ein Berserker“, sagt Claudia Baumbusch im PZ-Forum über ihn. Dort hat sie in sein Werk eingeführt, das die Architektur Badens wie kein zweites geprägt hat – und von dem doch nur so wenig erhalten ist.

Zimmermann statt Architekt

Am Anfang aber ist noch gar nicht klar, dass aus Weinbrener einer der führendsten Architekten Deutschlands werden soll. Wie sein Vater wird er Zimmerer – ein Handwerk, das im frischgegründeten Karlsruhe ein sicheres Auskommen beschert. Denn die neue Residenzstadt besteht noch fast ausschließlich aus Holzhäusern. Die Sprachausbildung vernachlässigt er, das Gymnasium verlässt er mit 16 Jahren. Was er später weiß, eignet er sich jetzt an.

Er reist durch Europa, nach Dresden, Paris, Wien und Berlin. Und immer geht er klüger fort als er gekommen ist. Aber eine Inspiration ist es, die sein ganzes Leben prägen wird: Rom. Dort verbringt er – vom badischen Hof bezahlt – fünf fruchtbare Studienjahre. Er lebt zwischen den Säulen, die für seine Kollegen daheim nur im Architekturbuch – nicht in der Wirklichkeit stehen. Und gerade jetzt sehnt sich ganz Europa danach. Will nach barockem Putten und Rosetten das Neue mit der marmornen Kühle der römischen Tempel bauen. Weinbrenner hat genug gesehen. Jetzt kann er anfangen aus seinen Skizzen Wirklichkeit werden zu lassen. Karlsruhe ist der ideale Ort dazu. Hier, in der jungen Residenzstadt Badens, herrscht Mangel an den Bauten, die er liefern kann: den erhabenen und repräsentativen, die aus einem Provinz-Nest voller Holzhütten eine Hauptstadt europäischen Rangs machen.

Als er 1826 stirbt, ist es ihm gelungen. Er hat vom Schloss nach Süden eine Prachstraße geschaffen, hat Kirchen, Schlösser und Wohnhäuser gebaut – und nicht zuletzt die Karlsruher Pyramide, Wahrzeichen der Stadt. Aber soviel bleibt davon nicht übrig im Laufe der Zeit. Schnell kommen sie aus der Mode, die idealistischen, klaren Säulen und Giebel, mit denen er aus Karlsruhe einen großen Tempel des Klassizismus formt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er aus der Mode kommt.

Ein Hauch von Rom

Denn ein Hauch von Rom schwebt durch alle seine Bauten, das macht sie aus. Mit diesen Formen aber geht Weinbrenner frei um. In Karlsruhe baut er die evangelische Stadtkirche, die katholische Josefskirche und auch eine Synagoge – und alle sehen anders aus. Am klarsten gemahnt die Stadtkirche an römische Tempel – korinthische Säulen unter fruchtstarrendem Fries. Nur der Turm, der will in seiner verspielten Gemütlichkeit so gar nicht in die klare Konstruktion passen. Weinbrennes Idee ist er auch nicht. Die Gemeinde kann ihre Kirche nicht denken ohne Turm. Weinbrenner baut ihn – zum Schaden des Baus. Ähnlich ergeht es St. Stephan, das heute nur noch wenig gemein hat mit Bau, den Weinbrenner erdacht hat. Auch hier – an das Karlsruher Pantheon – muss er den Turm anbauen, später legt man den Backstein frei, Innenrenovierungen tilgen mit jedem Mal stärker seinen ursprünglichen Plan. Ganz soviel bleibt nicht mehr übrig von seinen Ideen. Aber auf dem Reißbrett hat er aus Karlsruhe ein kleines Rom gemacht – und aus Pforzheim eine Stadt mit Ringstraßen aus Alleen.