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Wissen genau, wie man dem Publikum zu guter Laune verhilft: drei von den „Füenf“ – Memphis, Pelvis und Little Joe (von links). Foto: Roller
Wissen genau, wie man dem Publikum zu guter Laune verhilft: drei von den „Füenf“ – Memphis, Pelvis und Little Joe (von links). Foto: Roller
15.05.2017

„Füenf“ begeistern im Pforzheimer Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Es will einfach nicht mehr ausgehen, das rote Licht am linken Schuh von Sänger Patrick Bopp. Da kann er dagegen hauen, drücken und auf den Boden stampfen, wie er will. „Bisher hat das noch nie geleuchtet“, sagt er sichtlich erstaunt und versichert prompt, das sei nicht geplant gewesen. Tja, es gibt eben für alles ein erstes Mal. Wie Bopp das mysteriöse rote Leuchten an seinem in China produzierten Schuh ausgelöst hat, warum nur der linke leuchten wollte und der rechte nicht, und ob das Licht nach dem gut zweistündigen Auftritt je wieder erloschen ist, bleibt am Freitagabend im Kulturhaus Osterfeld zwar sprichwörtlich im Dunkeln, aber eigentlich ist das auch vollkommen egal. Denn das Publikum hat seinen Spaß an der nicht geplanten Lichtshow – und mit Christian Langer (Justice), Jens Heckermann (Pelvis), Patrick Bopp (Memphis), Kai Podack (Little Joe) und Francesco Cagnetta (Dottore Basso).

Sie nennen sich „Füenf“, singen a cappella und servieren ihrem Publikum auf unnachahmliche Weise einen Ohrwurm nach dem anderen. Da werden schon mal Lieder über Neurodermitis, Beilagensalate und über „Pipi, Kaka, Popo“ gesungen. Letzteres aber nur, um gleich zu Beginn des Abends die „Sehnsucht vieler nach Schweinkram“ zu erfüllen. Aber die „Füenf“ können auch ganz anders, nämlich ganz romantisch. Indem sie zum Beispiel ein Liebeslied über Käse dichten. Schließlich weiß doch jeder, dass in Käse die pure Erotik steckt. „Du bist mein Gorgonzola, ich habe die Nase von dir voll.“

Apropos: Woran liegt es eigentlich, dass englische Liebeslieder erfolgreicher sind als deutsche? Ganz einfach: an dem kleinen Wörtchen „Love“. Das meinen zumindest die „Füenf“ und treten prompt den Beweis dafür an, indem sie „Love“ durch „Horst“ ersetzen: „Can’t you feel the Horst tonight“ oder „I would do anything for Horst“.

Eigentlich gibt es sowieso schon zu viele Liebeslieder. Über Hochprozentiges dagegen wird nicht so oft gesungen. Für die „Füenf“ Grund genug, den Schlager ein klein wenig umzudichten. Da will Trude Herr dann auf einmal keine Schokolade mehr, sondern „lieber einen Schnaps“, immer wieder sonntags „fehlt die Erinnerung“, „eine neue Leber ist wie ein neues Leben“ und auch wenn es nicht dazu passt: „Ein bisschen Gras muss sein.“

Und auch international kennt man sich bestens aus. Während die Zuschauer im Takt der nach Bollywood klingenden Musik als Choreografie mal links, mal rechts „Glühbirnen reinschrauben“ dürfen, geben die „Füenf“ ein politisch zwar nicht ganz korrektes, aber dafür leicht frivoles Weihnachtslied zum Besten über den Papa, der Romantik will, „doch Mama will Fun“. Spaß hat auch das Publikum, das im Lauf des Abends immer mehr auftaut und am Ende sogar beim Patrick-Lindner-Medley kräftig mitsingt. Auf tosenden Applaus und zwei Zugaben zum Schluss.