nach oben
Noch gibt es Grund zu feiern für Cookie (Susanne Schäfer) und Dan (Bernhard Meindl). Foto: Haymann
Noch gibt es Grund zu feiern für Cookie (Susanne Schäfer) und Dan (Bernhard Meindl). Foto: Haymann
11.02.2019

„Für immer schön“: Premiere im Podium des Theaters Pforzheim

Pforzheim. „Vorwärts – lächeln – Showtime!“ Mit dieser Selbstmotivation stürzt sich Kosmetikverkäuferin Cookie Close mit ihrem Rollkoffer auf die Straßen einer amerikanischen Vorstadt, um Schönheit von Haus zu Haus zu bringen. Doch Cookie kommt in die Jahre, und die Umsatzzahlen sinken.

Der US-Dramatiker und Drehbuchautor Noah Haidle schrieb „Für immer schön“ 2017 für das Nationaltheater Mannheim. Im ausverkauften Podium des Theaters Pforzheim wurde die Premiere am Samstagabend begeistert gefeiert. Für Cookie Close ist ihr Job eine religiös unterfütterte Mission. Ihre Produkte sollen den Frauen helfen, ihre Schönheit als Ebenbild Gottes zu zeigen. Dafür ist sie bereit, weiterzumachen. Dafür setzt sie sich mit Klauen und Zähnen ein.

Doch Idealismus ist ebenso eine Maske wie Freundschaft, Liebe, Treue und mütterliche Fürsorge. In den 25 Jahren, über die sich das Stück erstreckt, werden alle Masken erbarmungslos weggefetzt, Doppelmoral und Erfolgshörigkeit des „American Dream“ entlarvt. Am Lebensweg von Cookie bleiben ein erhängter Ehemann, zerstörte Freundschaften und Ehen, ein zurückgewiesener Liebhaber und ein drogentotes Kind zurück.

Am Ende ist Cookie blind, verschmutzt und verwahrlost. Dennoch weist sie jede Hilfe zurück, denn „mein Zuhause ist die Schinderei“, und „Schmerz ist die wahre Prüfung des Glaubens“. Für ihre Tochter Dawn, die sich den goldenen Schuss gesetzt hat, buddelt sie ein Grab, und hier findet sie endlich die Ruhe, von der sie ihr ganzes Leben lang geträumt hat.

Schauspielchef Hannes Hametner hat für seine Inszenierung des Stückes mit Seitenblick auf die schrägen Filme der Coen-Brüder drastische Bilder und ausgefeilte Choreografien gewählt. Das Drama spult sich auf einem kühl gehaltenen Catwalk mit Drehtür ab (Bühne: Jörg Brombacher), die Kostüme (Mareile von Stritzky) sind gleichermaßen alltagstauglich wie karikierend.

Die rosarote Kosmetik-Kitsch-Idylle kontrastiert scharf mit mehreren erbitterten Damen-Scharmützeln in Zeitlupe zwischen Cookie (Susanne Schäfer) und ihrer jüngeren Konkurrentin Heather (Konstanze Fischer). Tochter Dawn (Sophie Lochmann) stirbt einen bestürzenden Heroin-Tod. Der junge, coole Dan (Bernhard Meindl) verwandelt sich in einen enttäuschten Vorstadtspießer, seine Frau Heather hat mit dem Ehemann auch ihr Lebensziel erreicht. Ihre letzte Auseinandersetzung hat Cookie mit einer bewaffneten Schlampe (Katja Thiele in einer Doppelrolle), die symptomatisch für ihren Abstieg steht.

Das Stück könnte zur „One-Woman-Show“ werden. In Hametners ausgewogener Regie gewinnt das Ensemble um die Hauptperson aber Profil und Gewicht, was die Konturen von Cookie sogar eher noch schärft. Diese wird von der grandiosen Susanne Schäfer mit hochkonzentrierter Präsenz und Spannung verkörpert. Bedrückend intensiv Sophie Lochmann als schüchterne, unsichere Tochter Dawn. Konstanze Fischer zeichnet Heather als typisch überkandidelte Amerikanerin, zwei skurrile Rollen hat Katja Thiele. Bernhard Meindl, der einzige Mann, zeichnet Dan als schwachen Menschen, der an seinem Unvermögen, sich behaupten zu können, zugrunde geht. Fazit: unbedingt sehenswert.