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Virtuos: Franz und Laura Tröster mit Diethard Stephan Haupt an der Orgel. 

Fulminantes Finale - Pforzheimer Orgelsommer endet mit Rekordbesuch

Pforzheim. Mit Rekordbesuch und jubelnden Musikfreunden endete das letzte Konzert des diesjährigen „Pforzheimer Orgelsommers“ in der St.-Franziskus-Kirche. Die Begeisterung hatte einen triftigen Grund: Franz und Laura Kim Tröster (Trompeten) und Diethard Stephan Haupt (Orgel) präsentierten ein fulminantes Konzert, dem völlig zu Recht das Prädikat „virtuos“ im Motto beigefügt war.

Denn das rühmende Adjektiv ist von der Latein-Vokabel „virtus“ abgeleitet, die Tüchtigkeit und Mut bedeutet. Eigenschaften, die sowohl den musizierenden Künstlern, als auch den Veranstaltern der erfolgreichen Orgelsommer-Konzertreihe zugesprochen werden müssen.

Monumentale Eröffnung

Mit majestätisch strahlendem Trompetenklang im „Maestoso“ und pulsierendem Orgel-Laufwerk im „Allegro“ aus Georg Friedrich Händels (transkribiertem) Concerto B-Dur (op. 4/2) eröffnete der Konzertabend geradezu monumental. Fein ausgewählte Orgel-Register sorgten mit ihren Farbfacetten dafür, dass sich die Königin der Instrumente in Gaston Béliers 1912 komponierter Toccata d-Moll für Orgel solo mit voluminösem Sound wie ein konzertant aufspielendes ganzes Orchester anhörte. Im folgenden Konzert für zwei Trompeten und Orgel von Johann Melchior Molter, einem Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach, umrahmten zwei rasante „Allegro“-Ecksätze mit den metallisch gleißenden Trompeten ein gemächlich fortschreitendes „Andante“ für Solo-Orgel.

Ein Höhepunkt des Abends war die Wiedergabe der Orgel-Variationen des zeitgenössischen Komponisten Denis Bédard zu „Amazing Grace“. Das beliebte Kirchenlied, das 1972 in einer Version der Royal Scots Dragoon Guards die Spitze der britischen Charts eroberte, leuchtete in einer teils jazzig-dynamischen Klangfarbenvielfalt, wie man sie selten erlebt. Mystisch tönte dann das Brass-Instrument über der Orgel-Grundierung in Hans Uwe Hielschers „Fantasia Gregoriana“ für Trompete und Orgel (op. 45), einer ebenfalls zeitgenössischen Komposition.

Starke Kontraste zwischen klangschön-zarten Liedmelodien und dem voll versammelten Orgel-Plenum bot die Interpretation zweier Sätze aus Charles Marie Widors 5. Orgel-Symphonie. Die abschließende Aufführung von Georg Friedrich Händels Suite D-Dur für zwei Trompeten und Orgel feierte noch mal die triumphale Schönheit barock prächtiger Kirchenmusik. Wenn man weitere Orgel-Projekte einbezieht, könnte sich Pforzheim bald den Ruf einer Orgelstadt verdienen – meinte jedenfalls Kirchenmusikdirektor Mathias Kohlmann in seinem Grußwort.