nach oben
„Bist du wütend, zähl bis vier und klappt das nicht, dann explodier“, meint Tina Häussermann. Roller
„Bist du wütend, zähl bis vier und klappt das nicht, dann explodier“, meint Tina Häussermann. Roller
12.12.2016

Gags von Kabarettistin Tina Häussermann kommen im Nöttinger Löwensaal gut an

Die wichtigste Information kommt gleich zu Beginn: „Nicht ich sorge dafür, dass Sie einen schönen Abend haben“, meint Tina Häussermann im Nöttinger Löwensaal zu ihrem sichtlich verwundert schauenden Publikum:

„Sondern Sie sorgen dafür, dass ich einen schönen Abend habe.“ Na, wenn das mal keine klare Ansage ist. Und damit das selbstgesteckte Ziel auch erreicht wird, steigt die Kabarettistin kurzentschlossen von der Bühne herunter ins Publikum und drückt Zuschauerin Angelika eine Konfetti-Kanone in die Hand. „Immer abfeuern, wenn ein Gag kommt.“

Klingt erst einmal nicht schwer, ist aber gar nicht so einfach. Denn Tina Häussermann gehört nicht zu der Sorte Kabarettisten, die sich zwei Stunden lang auf die Bühne stellt, ihre Witze über Gott und die Welt macht, geduldig auf die Lacher wartet und am Ende wieder abhaut. Viel lieber erzählt sie authentische Geschichten aus ihrem Leben und regt sich über Dinge auf, die wohl jeder kennt. Zum Beispiel über Gäste, die die Frechheit besitzen, nicht zu spät zu kommen, sondern zu früh. Die dann noch dreist in der Wohnung umherwandern und zu allem Überfluss den Gastgeber fragen: „Kann ich was helfen?“, um anschließend mit ungewaschenen Händen Lebensmittel anzufassen.

Nasser Hund und Harzer Roller

Aber wenn es nach Häussermann geht, ist das alles noch harmlos im Vergleich zu Funktionskleidung, die in der Werbung immer als besonders atmungsaktiv angepriesen wird. „Aber wenn man sich nach dem Sport da rauspellt, dann riecht das wie eine Mischung aus nasser Hund und Harzer Roller mit Benzinnote im Abgang.“ Es gibt eben Dinge, über die muss man sich einfach aufregen. Denn hin und wieder so ein kleiner Wutanfall, der kann ganz befreiend sein, frei nach dem Motto: „Bist du wütend, zähl bis vier und klappt das nicht, dann explodier.“ Und wenn auch das nicht funktionieren sollte, dann gibt es zur Entspannung immer noch Erotikfilme, in denen es um „Rudis Rüssel“ geht und in denen James Bond ausnahmsweise mal die „Lizenz zum Löten“ hat.

Für Häussermann scheint das aber nichts zu sein. Sie hat stattdessen den Kampfsport für sich entdeckt, erscheint nach der Pause in einem Karate-Anzug und erklärt, sie besitze den schwarzen Gürtel in „Futschikato“. Kein Wunder, dass sie sich problemlos gegen Einparkhilfen, Wandtattoos und den um sich greifenden „Worteterror“ verteidigen kann. Und wenn selbst der schwarze Gürtel nicht hilft, gibt es immer noch einen schwarzen Flügel auf der Bühne. An ihm spielt sich die überaus musikalische Kabarettistin die Finger wund, wenn sie anrührend ihre selbstgetexteten Lieder zum Besten gibt. Kein Wunder, dass das Publikum von so viel Wandlungsfähigkeit begeistert ist und die Häussermann erst nach zwei Zugaben wieder von der Bühne lässt.