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Qual der großen Auswahl: Maria Ochs vom Kulturhaus und Manfred Schmalriede gestern bei der Hängung der Bilder.
Qual der großen Auswahl: Maria Ochs vom Kulturhaus und Manfred Schmalriede gestern bei der Hängung der Bilder.
12.01.2017

Galerie im Kulturhaus Osterfeld zeigt Fotografien von Toni Schneiders

Pforzheim. Sie wandten sich gegen „kleinbürgerliche Überlieferung“, gegen die Vorgabe, dass nur die Wirklichkeit das Bild gestaltet: 1949 unter anderem von Toni Schneiders gegründet, sucht die Gruppe fotoform nach neuen Wegen in der Kunstphotografie – und nach einem Gegenpol zu dem, was gerade Wehrmachtsfotografen wie Schneiders im Krieg an bildnerischer Propaganda zu liefern hatten.

Wohin diese Bestrebungen führen, das lässt sich von heute Abend an in einer spannenden, umfangreichen Ausstellung im Foyer des Kulturhauses Osterfeld nachvollziehen.

Toni Schneiders (1920 bis 2006), dessen Archiv sich in der Stiftung F.C. Gundlach befindet, hat in seinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen die „Subjektive Fotografie“ der Nachkriegszeit entscheidend geprägt, sind doch seine Bilder eine ganz persönliche Interpretation des Gesehenen, schärfen sie den Blick des Betrachters für die Vielfalt geometrischer Formen in der Natur. Und führen von der Reduktion letztlich zur Abstraktion – „parallel zur Entwicklung der Kunst der 1950er- und 1960er-Jahre“, sagt Professor Manfred Schmalriede, der in die Ausstellung einführen wird. Atemberaubend sind die Landschaftsaufnahmen Schneiders’, die die geometrischen Linienführungen aufnehmen, und bei aller Tiefe doch auch als Spiel mit der Fläche lesbar sind. Als schwarzer Schatten erscheint auch die Katze, die im kahlen Baumwipfel dem Betrachter nur schemenhaft begegnet. Form und Inhalt gehen bei Schneiders eine interessante Symbiose ein, sei es die Langzeitbelichtung des Karussell auf dem Hamburger Domplatz oder sein vielleicht bekanntestes Bild „Wartende Frau“ hinter einem regenverhangenen Zugfenster. Gerade dieses Motiv zeigt auch, was die große Kunst des lange am Bodensee lebenden Fotografen ausmacht: Sein Blick auf die Menschen, sei es in Deutschland, sei es in vielen Ländern dieser Welt, ist ein poetischer. Ein Blick, dem bei aller geometrischer Formfindung und Abstraktion, das Gespür für Gefühle nie abhandengekommen ist.