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Welches Schicksal erwartet die Geschwister Cersei (Lena Headey ) und Jamie Lennister (Nikolaj Coster-Waldau) ? Foto: HBO
Zuschauerliebling Kit Harington spielt die Rolle des Jon Schnee. Foto: HBO
Jan Söffner. Foto: dpa
Peter Dinklage als Tyrion Lannister. Foto: HBO
09.08.2017

„Game of Thrones“ - Kulturtheorie-Professor: „Serie ist auch in 100 Jahren noch bekannt“

Friedrichshafen. Der weltweite Hype um die Fantasy-Saga „Game of Thrones“ („GoT“) ist aus Sicht der Wissenschaft durchaus erklärbar. „Der Knackpunkt ist eine inneren Spannung zwischen knallhartem Realismus und Fantasy“, erklärte Kulturtheorie-Professor Jan Söffner von der Zeppelin Uni in Friedrichshafen am Bodensee. Im Gegensatz zu herkömmlicher Fantasy, die meist gängigen Schemata folge, komme bei „GoT“ tatsächlich immer alles anders, als man denke. Man frage sich immer, was passiert, wer das letzte Wort haben und wie die Sache ausgehen wird.

Bildergalerie: Game of Thrones - Erfolgsrezept für Kulturwissenschaftler

„Etwas ganz Großes“

Söffner hält „Game of Thrones“ zwischen Mittelalter, Drachen und Untoten tatsächlich für „etwas sehr Großes“, das man wohl auch in 100 Jahren noch kenne. Zwar habe die Serie noch nicht die Dimension und vor allem die Figuren von „Star Wars“, womit George Lucas mehrere Generationen von Kindern beeinflusst habe. Doch sei es viel komplexer und größer aufgezogen als etwa Tolkiens Weltklassiker „Herr der Ringe“. Entscheidend sei, wie US-Autor George R.R. Martin die Story weiterführe und ob die TV-Serie ihr Niveau bis zum Schluss halten könne. Aktuell läuft die siebte und damit vorletzte Staffel.

Und wie lautet das Erfolgsgeheimnis von „GoT“?

Rezept eins:

Herkömmliche Hollywood-Fantasy folge meist der Mythentheorie von Joseph Campbell, erklärte Söffner. Heißt: Junger Held lebt in der Realität; er erhört den Ruf aus einer höheren, anderen Realität; er tritt dort ein; er hat einen Mentor, der meist stirbt; und er lebt am Ende in beiden Realitäten. Für „Star Wars“ sei das prägend gewesen, für „Harry Potter“ oder „Matrix“ ebenfalls. Durch „GoT“ könne man diesen Standard-Mythos eigentlich nicht mehr so richtig ernst nehmen. „Eventuell geht da eine Epoche zu Ende.“

Rezept zwei:

Die Fans erwarten laut Söffner gar nicht, dass Gutes passiert, dass sich alles zum Guten wendet. Im Gegensatz zur herkömmlichen Fantasy werde man ständig enttäuscht. Es gebe nur gebrochene Charakter, die Figuren gingen alle kaputt. Eine Erlösung gebe es nicht. Martin schlage alle üblichen Fantasy-Strukturen kaputt. „Und er tut das innerhalb einer Fantasy-Geschichte.“ Das Ergebnis: ständige Enttäuschung, aber auch ständige Hoffnung.

Rezept drei:

Die Länge. „Wir leben in einer Zeit der Langerzählung“, sagte Söffner. Zwar würden alle sagen, sie hätten keine Zeit – aber die Erzählungen würden richtig lang. „Es geht nicht darum, sich kurz irgendwas erzählen zu lassen. Sondern darum, in eine Erzählung hereinzuwachsen – und durch sie eine Haltung zum Leben zu gewinnen.“

Das Buch „Nachdenken über „Game of Thrones“ von Jan Söffner ist im Wilhelm-Fink-Verlag erschienen (152 Seiten, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-7705-6209-1). Die siebte Staffel von „Game of Thrones“ läufet derzeit im Bezahlsender Sky.