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Im etwas anderen Outfit: die Musiker der Badischen Philharmonie beim Jugendkonzert mit Musik aus Western. Foto: Roller
Im etwas anderen Outfit: die Musiker der Badischen Philharmonie beim Jugendkonzert mit Musik aus Western. Foto: Roller
18.03.2019

Ganz großes Kino: Western-Melodien beim Jugendkonzert der Badischen Philharmonie

Pforzheim. Scharrende Hufe, rauchende Colts, Duelle im Morgengrauen, furchtlose Cowboys, mutige Indianer – und natürlich fiese Schurken: Rau und ruppig geht es zu in der Welt des Wilden Westens. Eine Welt, in die die Musiker der Badischen Philharmonie ihre Zuhörer im Pforzheimer Stadttheater am Freitagabend mitnehmen.

Western-Melodien stehen auf dem Programm des rund einstündigen Konzerts, das sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet. Ihnen und ihren Eltern servieren die Musiker einen Titel nach dem anderen: nuanciert, fokussiert und ohne aufregende Effekte. Die braucht es auch nicht, denn die Musik spricht für sich. Allein durch ihren Klang erzeugt sie Bilder im Kopf der Zuhörer und evoziert Emotionen. Wenn die Streicher in John Barrys „Der mit dem Wolf tanzt“ weite Melodiebögen ausspannen, lässt das an unendliche Landschaften denken. Wenn die Sticks krachend auf Trommeln und Becken des Schlagzeugs krachen, klingt das wie Gewehrschüsse. Ein mitreißendes Stück, geprägt von strahlend hellem Trompetenklang, spritzig-vorauspreschend auf der einen, elegisch auf der anderen Seite.

Das Mundharmonika-Motiv

Die Musiker spielen Melodien, die die Streifen geprägt haben, in denen sie verwendet wurden. Was wäre etwa „Spiel mir das Lied vom Tod“ ohne das wohl berühmteste Mundharmonika-Motiv der Musikgeschichte? Im Film ist das von Ennio Morricone komponierte Stück der Schlüssel, um eine Handlung zu verstehen, in der sich alles um Rache, Habsucht und Verbrechen dreht.

Im Pforzheimer Theater zieht es die Zuhörer sofort in seinen Bann. Genauso wie das zweite Morricone-Stück: „The good, the bad and the ugly“. Da hört man nicht nur Kojoten heulen, sondern auch Pfiffe und Jodeln. Für Wild-West-Atmosphäre sorgen auch die Outfits der Musiker: Karierte Hemden, große Cowboyhüte und Lederstiefel tragen die Mitglieder der Badischen Philharmonie, wenn sie auf den Instrumenten an Winnetou erinnern, an die glorreichen Sieben und an „Rio Bravo“.

Dirigent Philipp Haag hat ein kleines Pony aus Plüsch mitgebracht. Steffi Baur nimmt indessen auf dem Sofa Platz, zappt humorvoll durch das Fernsehprogramm und das Publikum stellt ganz nebenbei fest: Klassische Musik findet sich in vielen Werbespots – egal, ob sie Tiefkühlpizzen, Torten oder die Kompetenz eines Lebensmittelmarkts anpreisen. Die vorwiegend jugendlichen Zuhörer haben ihren Spaß, spenden immer wieder tosenden Beifall und verlangen am Ende eine Zugabe.