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In „Mongos“ geht es um zwei Behinderte (von links: Julian Culemann und Henning Kallweit) auf Sinnsuche.  Theater
In „Mongos“ geht es um zwei Behinderte (von links: Julian Culemann und Henning Kallweit) auf Sinnsuche. Theater
In „Tschick“ geht es ums Erwachsenwerden (von links: Julian Culemann, Theresa Martini und Henning Kallweit).
In „Tschick“ geht es ums Erwachsenwerden (von links: Julian Culemann, Theresa Martini und Henning Kallweit).
Betreuen die „Jugendtheaterstücktage“: Intendant Thomas Münstermann, Theaterpädagogin Anja Noël und Schauspieler Markus Löchner (von links).  Ketterl
Betreuen die „Jugendtheaterstücktage“: Intendant Thomas Münstermann, Theaterpädagogin Anja Noël und Schauspieler Markus Löchner (von links). Ketterl
16.06.2017

Ganz nah dran: Pforzheimer Theater spielt bestimmte Stücke auch mobil an Schulen

Es gibt Familien, für die gehört es einfach dazu, ins Theater zu gehen. Und es gibt solche, die würden niemals auf die Idee kommen, sich ein Theaterstück anzuschauen – erst recht nicht mit Kindern.

Aber in die Schule geht ja eigentlich jedes Kind. Dort kann man also auch die erreichen, die wenig Interesse am Theater haben – oder es einfach noch nicht entdeckt haben.

Der Erfolg könnte größer sein

Deswegen bietet das Pforzheimer Theater ganz besondere Stücke an: solche, die zu den Schülern in die Schule kommen, und nicht andersrum. Mobile Stücke heißen die. Das Konzept wird angenommen in Pforzheim und der Region – aber besser könnte es schon laufen. „Es ist noch nicht so angekommen, wie wir uns das wünschen“, sagt Intendant Thomas Münstermann. Mehr Schulen, mehr Direktoren, mehr Klassen will das Theater jetzt erreichen – und so natürlich auch mehr Kinder, die Freude daran haben, das Schauspiel zu entdecken.

Deswegen veranstaltet das Theater Pforzheim vom Dienstag, 27. Juni, bis Donnerstag, 29. Juni, die „1. Pforzheimer Jugendtheaterstücktage“. Gezeigt werden im Podium dann die Produktionen, die jede Schule fürs Klassenzimmer oder die Aula anmieten kann. Es sind kleine Produktionen, mit wenigen Schauspielern und kaum Requisiten. „Beim ,Werther‘ sind es ein Buch und ein Laptop“, sagt die Theaterpädagogin Anja Noël.

Oft drehen sich die Themen der Stücke ums Erwachsenwerden: Bei „Tschick“ zum Beispiel – oder beim dritten Werk der Reihe: „Mongos“, vom Pforzheimer Ensemblemitglied Sergej Gößner. An den drei aufeinanderfolgenden Abenden steht je eines der Werke im Vordergrund. Das Theater will gerade Lehrer der Schulen ansprechen, sie anregen, über eine Buchung so eines mobilen Theaterstücks nachzudenken für ihre Schule – aber durchaus auch den Otto-Normal-Bürger. Denn die Stücke sind ja professionelle Produktionen des Theaters, nur eben komprimiert und konzentriert – und: „Sie sind normalerweise für den einfachen Zuschauer nicht zu sehen“, sagt Münstermann. „Aber auch die haben bei manchem Stück nachgefragt. Deswegen zeigen wir die Werke jetzt einmal im Podium.“ Dort ist alles beinahe so wie bei einem gewöhnlichen Außeneinsatz der Stücke.

Denn gespielt wird in der Kulisse des Theaterstücks „Frau Müller muss weg“: in einem Klassenzimmer. Die Zuschauer sind dann so nah dran an den Schauspielern wie sonst die Schüler. „Das ist das pure Schauspiel-Erlebnis“, sagt Markus Löchner, der sich als Ensemblemitglied besonders darum kümmert, für das Theater neue Spielorte zu erobern. „Man kann sich überhaupt nicht verstecken: hinter keinem Bühnenbild oder keiner Lichteinstellung.“ Da kann das Theater ganz direkt wirken – und Schüler packen, die es gar nicht kannten. „Bei so einem direkten Theatererlebnis wird man zum Urgrund der eigenen Berufserfahrung geführt“, sagt Münstermann. Das sei auch für die Schauspieler nicht immer einfach.

Die Kinder sind interessiert

„Ohne Bühnenbild muss man es schaffen, die Umgebung eben durch sein Spiel zu verwandeln.“ Die einfachsten Zuschauer seien Kinder nicht, meint Noel: „Wenn die keine Lust haben, dann machen die Brotzeit oder fangen das Quatschen an.“ Aber das sei selten, das Interesse der Kinder groß: auf ein Erlebnis, das ja irgendwie auch dazugehört zum Erwachsenwerden. „Zuschauen ist ja auch eine Kulturtechnik“, sagt Münstermann – und muss ja irgendwann auch gelernt werden. Auch, wenn die Eltern eigentlich gar nicht ins Theater gehen.