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Ungewöhnliche Mischung: Philippe Lemm, Angelo di Loreto und Jeff Koch (von rechts) werden im „domi“ mit viel Applaus gefeiert.  Roller
Ungewöhnliche Mischung: Philippe Lemm, Angelo di Loreto und Jeff Koch (von rechts) werden im „domi“ mit viel Applaus gefeiert. Roller
20.10.2016

Ganz neue Klangbilder im „domicile“

Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Oder etwa doch nicht? Es klingt fast ein bisschen wie „Meeting Across the River“ von Bruce Springsteen, was Philippe Lemm am Schlagzeug, Angelo di Loreto am Klavier und Jeff Koch am Kontrabass spielen. Aber es wird eben nicht gesungen. Und gleichzeitig ist da so viel Ungewohntes, so viel Neues. Die Musik der drei wirkt leicht und frisch, sie kommt unbeschwert daher und ist trotzdem ausdrucksstark. Während das Publikum noch applaudiert, greift Lemm grinsend zum Mikrofon und lüftet das Rätsel: Es war tatsächlich „Meeting Across the River“.

Bei ihrem Auftritt im Jazzclub „domicile“ in Pforzheim vermischen Lemm und seine beiden Mitspieler Jazz, Klassik und Rock zu einer neuen Form der Musik, die sich kaum in Worte fassen lässt.

Viele Improvisationen

Manchmal, da sind die unterschiedlichen Stilrichtungen noch zu hören. Etwa die typischen Jazz-Akkorde oder die herausstechenden Melodien der Rockmusik. Aber meistens entstehen völlig neue Klangbilder, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Es ist die ungewöhnliche Kombination aus Schlagzeug, Kontrabass und Klavier, die diese Musik zu etwas Einzigartigem macht. „Wir wollen jedes Mal anders spielen, nicht immer nur das Gleiche machen“, erklärt Lemm. Deshalb improvisieren er und seine beiden Bandkollegen auch so viel. Nach dem Konzert oder in der Pause diskutieren sie dann auch schon mal, wer wie gut gespielt hat.

Lemm ist ein Ausnahme-Schlagzeuger: Mal haut er kräftig auf die Trommeln ein, mal streicht er ganz sanft darüber. Er schließt die Augen, reißt sie plötzlich wieder auf, bewegt den Oberkörper vor und zurück, beißt die Zähne zusammen. Es ist fast so, als ob er jeden Ton spüren könne. Di Loreto überzeugt am Klavier mit brillantem Tastenanschlag, während Koch am erdig klingenden Kontrabass gekonnt Akzente setzt.

„Das Publikum heute ist toll, genau so, wie wir es haben wollen“, sagt Lemm. Und dem tosenden Applaus nach zu urteilen, sind die Musiker genau so, wie sie das Publikum haben will. Für den Jazzclub ist der Abend ein voller Erfolg, der Lust macht auf mehr.