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Virtuos, stets sicher und souverän: Gardi Hutter.  Foto: Frommer 

Gardi Hutter feiert in Pforzheim ein Fest des kollektiven Lachens

Pforzheim. Eine Glanznummer von zeitloser Qualität: Am Freitagabend verzauberte die Schweizer Clownfrau Gardi Hutter einmal mehr das Publikum im Kulturhaus Osterfeld. Ihr Auftritt feierte das liebenswert Tollpatschige in Gestalt der „tapferen Hanna“ – und, als der Funke im großen Saal endgültig auf die Zuschauer übersprang, ein Fest des kollektiven Lachens. Genau in diesen kostbaren Momenten setzte Gardi Hutter ihr Spiel mit ihrer kugelrunden Waschfrau Hanna aus und konzentrierte sich minutenlang und zugleich wild entschlossen wie ihr struppiges Bühnengeschöpf auf das Dirigieren des Lachens der Zuschauer.

Ohne Pult und Stock, aber mit hinreißender Mimik und urkomischer Gestik kreierte sie so vielleicht den Höhepunkt des Abends: Sie päppelte sopranes Lachen mit fordernden Handbewegungen, irgendwo im abgedunkelten Parkett, auf und dämpfte markant-männliche Heiterkeit, nahe der Eingänge. Ihre „tapfere Hanna“ träumt seit rekordverdächtigen 40 Bühnenjahren von Heldentaten à la Jeanne d‘Arc, besitzt aber nicht viel mehr als einen Haufen dreckiger Wäsche. Mangels echter Feinde verwandelt sie ihre kleine Waschküche in ein Schlachtfeld, ficht couragiert gegen die imaginäre Armada aus Wäscheleine, Seifenlauge und bissigen Klammern und geht schließlich heldenhaft im Waschtrog unter – freilich nur, um sich kurz darauf wieder zu präsentieren: freudestrahlend und mit himmelschreiend winzigen Engelsflügeln. Noch immer: ganz großes Kino!