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Auf der Suche nach dem Bild (im Bild): Der Stuttgarter Künstler Pirmin Lang präsentiert seine Malereien in der Galerie Brötzinger Art. Es sind Werke, die der Betrachter mit seinen ganz eigenen Erinnerungen weiterdenken kann.  Foto: Meyer 

Gefühl und Verstand im Widerstreit: Pirmin Lang zeigt Ausstellung „Stulle“ in der Galerie Brötzinger Art

Pforzheim. Zwischen Zufall und Planung, Gefühl und Verstand bewegt sich das Arbeiten von Pirmin Lang. Der Stuttgarter Künstler mischt auf seinen Malereien mehrere Ebenen. Ein selbst erstelltes Foto, ein Video, Zeitungsausschnitte, gefundene Materialien, Gegenstände, Orte oder Situationen dienen ihm jeweils als Ausgangspunkt. Im Laufe des Arbeitsprozesses nähert er sich durch ständiges Eingreifen und Verändern schrittweise dem gesuchten Bild an – im ständigen Wechselspiel zwischen ursprünglicher Idee, malerischen Zufällen, die er aufnimmt und verarbeitet, und weiteren inhaltlichen Assoziationen. „Was löst es im mir aus?“ Stets spüre er in sich hinein.

Lang, Jahrgang 1981, hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert, er unterrichtet am Pforzheimer Theodor-Heuss-Gymnasium. In der Ausstellung setzt er sich letztlich mit seinen Erinnerungen auseinander und der Frage, wie er sie mit Malerei in Bezug setzen und mit ihren Mitteln darstellen kann. Bis zu einer finalen Form, die funktioniert. Die Kunst dabei:

„Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen und aufhören“, wie er sagt.

Zu sehen sind in der Galerie Brötzinger Art nun Klein- und Großformate (Öl auf Leinwand), mal auf wenige Motive fokussiert, dann wieder wie Bildteppiche oder collagenhaft wirken. Analog zu seinen Arbeiten ist der Titel der Schau kurz, knackig, Bilder im Kopf erzeugend: „Stulle“. Landschaft, Architektur und Innenräume finden sich in immer wieder unterschiedlichen Kombinationen und Schichten, häufig hinter einem Raster, als abstrakter Kontrast zu mancher „Farborgie“.

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Fotografische Perspektive: Langs Arbeit „Fuß“ speist sich aus Motiven der Natur und Architektur. Foto: Meyer

Spannend sind Langs Arbeiten auch dort, wo sich gegenständliche Bereiche in reine Malerei aufzulösen scheinen. Den Übergang zwischen Motiv und Reflexion, die verschiedenen Ebenen im Wechselspiel, stellt Lang symbolhaft mit den vom Himmel ausgehenden Lichtstimmungen an. Häufig dämmrig, diesig, zwischen Auf- und Untergang. Es finden sich Bezüge zum Impressionismus, aber auch zum magischen Realismus.

„Ziel ist das Bild aus einem Guss, bei dem Form und Inhalt sich entsprechen und das sowohl seiner Ursprungsidee gerecht werden muss, als auch eine gewisse inhaltliche Offenheit für den Betrachter bereithalten sollte“, sagt Lang. Besucher der Schau können so den Weg der Arbeiten mit eigenen Erinnerungen fortsetzen, sie ganz persönlich weiterdenken, Bekanntes und Fremdes entdecken.

Die Ausstellung „Stulle“ wird am Freitag um 18.30 Uhr eröffnet. Sie ist bis 1. November in der Galerie Brötzinger Art, Brunnenstraße 14, in Pforzheim zu sehen: donnerstags von 14 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 18.30 bis 22 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Michael Müller

Michael Müller

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