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30.07.2015

Gehobenes Mittelmaß – Bechtolf vollendet seinen Mozart-Zyklus

Salzburg. Mozart ist für die Salzburger Festspiele das, was Wagner für Bayreuth ist. Hier erwartet man von Operninszenierungen stets Referenzcharakter. Vor allem, wenn es sich um Mozarts ultimatives Meisterwerk handelt, seine Opera buffa „Le nozze di Figaro“ („Die Hochzeit des Figaro“). Die Latte lag also hoch für Regisseur Sven-Eric Bechtolf und Dirigent Dan Ettinger, die nach knapp zehn Jahren einen neuen „Figaro“ auf die Bühne brachten.

Den begeisterten Publikumsreaktionen zufolge kann das Projekt als gelungen betrachtet werden: Minutenlanger Applaus, viele Bravos, rhytmisches Klatschen. Für das dreistündige, kunstvoll gewirkte Durcheinander verwirrender Liebesintrigen hat Bühnenbilder Alex Eales eine Art Setzkasten gebaut, mit vielen liebevoll ausgestatteten Zimmern und Salons eines großbürgerlichen Haushalts der Jahrhundertwende. In diesem Ambiente frönt Bechtolf seinem Detail verliebten Realismus. Mit sicherer Hand und einem ausgeprägten Sinn für Situationskomik inszeniert er das ständige Kommen und Gehen der Protagonisten. Bis zur Pause funktioniert das gut, doch dann beginnt sich das Konzept abzunutzen.

Leider kommt auch aus dem Orchestergraben wenig Inspirierendes. Nach einer schmissigen Ouvertüre plätschert die Musik dahin. Einst war Salzburg bekannt für seine erlesenen Mozart-Ensembles. Dieses Jahr fehlen die großen Namen fast völlig, wenn man von Ann Murray als Marcellina absieht. Bassbariton Luca Pisaroni als Conte Almaviva, Sopranistin Anett Fritsch als Gräfin, Bassbariton Adam Plachetka als Figaro und die Sopranistin Martina Janková als Susanna schlagen sich beachtlich. Georg Etscheit