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Sangesfreudiges Quartett: Francesca Longari, Patrick Kabongo Mubenga, Ana Victoria Pitta und Giada Frasconi (von links). Foto: Donati
Sangesfreudiges Quartett: Francesca Longari, Patrick Kabongo Mubenga, Ana Victoria Pitta und Giada Frasconi (von links). Foto: Donati
11.07.2017

Gelungene Fremdproduktion bei Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“

Bad Wildbad. Es muss nicht nur Rossini sein. Das Belcanto-Festival „Rossini in Wildbad“ hat immer wieder mal Werke von kaum noch bekannten Kollegen des „Schwans von Pesaro“ ins Programm genommen und damit das Spektrum des Angebots bekömmlich erweitert. Weil den Wildbadern in diesem Sommer eine andere Kooperation geplatzt ist, haben sie eine Fremdproduktion erneut eingeladen, die schon 2015 im Königlichen Kurtheater zu sehen war und die Begegnung mit einer Ausgrabung beschert: „Le Cinesi“ von Manuel del Pópulo Vicente García. Der hübsche Einakter über drei junge Damen, die sich zur (chinesischen) Teestunde ihre Langeweile durch kleine Ausflüge in unterschiedliche Operngattungen vertreiben, wurde 1831 in Paris erstmals gespielt – als Privataufführung, denn tatsächlich handelt es sich bei dem Werkchen ausdrücklich um eine „Salonoper für junge Sänger“.

Mit virtuoser Gesangskunst kannte García sich gut aus. Zu Rossinis Zeiten war er selbst ein gefeierter Tenor und Lehrer. So sind denn seine Opern, mit denen er zu Lebzeiten große Erfolge hatte, immer auch dankbare, anspruchsvolle Aufgaben für ehrgeizige Goldkehlen. Das gilt zumal für „Le Cinesi“ – eine reizvolle Gesanglektion für drei besonders begabte Schülerinnen des Meisters, die hier noch durch einen Tenor mit wechselnden Aufgaben ergänzt werden.

Weil die Damen sich zwischen den gängigen Operntypen nicht entscheiden können, von dem hinzugekommenen Jüngling Silango aber animiert werden, probieren sie kurzerhand gleich drei verschiedene Spielarten aus: Die adelige Lisinga singt in heroischem Gestus die große Arie der Andromache, die vom griechischen König Pyrrhus bedrängt wird; ihre kokette Freundin Sivene entscheidet sich für eine drollige Pastorella, in der sie sich über ihren linkischen Freier lustig macht; und die handfeste Tangia bringt eine derbe Komödie zum Vortrag, in der sie über die Selbstverliebtheit eitler Männer herzieht.

Dem sangesfrohen Quartett, das bei der Aufführung durch ein Klavier begleitet wird, bietet sich hier bei geringem Aufwand reichliche Gelegenheit zur Entfaltung ihrer vokalen und komödiantischen Talente. Die Einstudierung durch Jochen Schönleber hält sich weitgehend an die Fassung, die 2015 gezeigt und zwischendurch auch an der Accademia del Maggio Musicale in Florenz gespielt wurde. Dabei fällt der treuherzigen Regie nur wenig ein, um den munteren Arienabend szenisch zu beleben; vielmehr sind die unvorteilhaften Kostüme der Sängerinnen geeignet, den musikalischen Spaß optisch ein wenig zu trüben.

Im vierköpfigen Ensemble, dem Michele D’Elia am Klavier spritzige Impulse vermittelt, überzeugen vor allem die fulminante Ana Victória Pitts als Tangia mit ihrer kraftvollen Altstimme und der wandlungsfähige Tenor Patrick Kabongo Mubenga, der dem Jüngling Silango durch pointierte Spielfreude und glänzenden Gesang vergnügliche Kontur gibt. Die Sopranistin Francesca Longari ist als Lisinga den reich kolorierten Girlanden der Partie technisch nicht immer ganz überzeugend gewachsen, und auch Giada Frasconi bleibt der kapriziösen Schäferin Sivene mit unausgeglichenem Mezzo vieles schuldig. Das Publikum bedankte sich für das einstündige Vergnügen im intimen Rahmen des Kurtheaters mit herzlichem Beifall.