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Fotografie und Zeichnung, Glasskulptur und Modell: Vito Pace und Angelo Ricciardi (von links), Winfried Reinhard und Julius Weiland  zeigen höchst unterschiedliche Werke. Foto: Recklies
Fotografie und Zeichnung, Glasskulptur und Modell: Vito Pace und Angelo Ricciardi (von links), Winfried Reinhard und Julius Weiland zeigen höchst unterschiedliche Werke. Foto: Recklies
Fotografie und Zeichnung, Glasskulptur und Modell: Vito Pace und Angelo Ricciardi, Winfried Reinhard (links) und Julius Weiland (rechts) zeigen höchst unterschiedliche Werke. Foto: Recklies
Fotografie und Zeichnung, Glasskulptur und Modell: Vito Pace und Angelo Ricciardi, Winfried Reinhard (links) und Julius Weiland (rechts) zeigen höchst unterschiedliche Werke. Foto: Recklies
10.10.2015

„Gemischtes Doppel“ in Pforzheim Galerie: Vom Atelierraum bis zum Wasserbild

Zum vierten Mal bespielt von Sonntag an ein „gemischtes Doppel“ die Pforzheim Galerie. Der Fotograf Winfried Reinhard hat den Berliner Glaskünstler Julius Weiland eingeladen, um gemeinsam einen Teil der Räume zu gestalten. Der seit 18 Jahren in Deutschland lebende italienische Künstler Vito Pace, seit vielen Jahren Lehrbeauftragter im Fachbereich Skulptur an der Pforzheimer Hochschule, hat mit Angelo Ricciardi einen Landsmann gebeten, sich mit aktuellen Positionen zu präsentieren.

Während Reinhard und Weiland erstmals miteinander ausstellen und ihre Arbeiten im Dialog präsentieren, sind Pace und Ricciardi schon seit über 15 Jahren immer mal wieder ein Ausstellungsteam. Hier machen die beiden italienischen Künstler bereits am Eingang zu ihrem Bereich – erstmals sind die Präsentationen der Paarungen streng voneinander getrennt – deutlich, dass es ihnen in ihrer Kunst vor allem um Fragen zur Identität geht. An die Wand der Pforzheim Galerie haben sie die deutsche und die italienische Flagge gemalt – reduziert auf jene Grautöne, die eine Umwandlung der Farben in Graustufen ergibt. Auch wurden die Flaggen um jeweils 90 Grad gedreht, so dass der Betrachter vor insgesamt sechs Streifen (drei quer, drei hoch) steht, deren Farbskala von Reinweiß – „hier sind alle Farben vereint“ (Vito Pace) – bis zum tiefen Schwarz reicht. Die Nationalitäten, so erklärt Vito Pace, lösten sich in dieser Arbeit auf – die Identitäten gingen in ihrer Klarheit verloren.

Der Individualität nachspüren

Ähnliches zeigt der Künstler mit zwei Abbildern seines Atelierraums, dem er in der Umsetzung die Individualität genommen hat. Mal begegnet man dem Raum als gemaltes Bild, mal in Form einer Skulptur. Paces Kollege Ricciardi indes hat sich dem Thema der Identität und Individualität sowie dem Wandel der Gesellschaft mit einer Reihe von Zeichnungen gewidmet, auf denen Kleidungsstücke der Mitglieder einer vierköpfigen Familie zu sehen sind. Auch mit Schrift und Text spielt der in Neapel lebende Künstler, indem er in einem Künstlerbuch und mit Wandarbeiten unter anderem mit den vielfach wiederholten Worten „mission“, „dismiss“, „missiles“ oder „missing“ spielt und am Ende verdeutlicht, dass in jedem mit „si“ das italienische Ja steckt.

Ganz der Natur zugewandt scheinen auf den ersten Blick die Wasserbilder des Pforzheimer Fotografen Winfried Reinhardt, aufgenommen im Monbachtal bei Bad Liebenzell und am Baikalsee. Den mal eingefrorenen, mal fließenden Bewegungen des Wassers stehen die Glasarbeiten Julius Weilands gegenüber, die wie Gewächse in den Raum ragen oder an Tiere mit Tentakeln erinnern. Gemein ist den Arbeiten des Fotografen und des Bildhauers: elementar für ihre Werke ist das Licht. Denn Weilands zufällig komponierte Glasskulpturen leben durch die Spiegelung oder das Durchdringen des auf die Objekte fallenden Lichts, während Reinhardt das Umgebungslicht beim Fotografieren so eingefangen hat, als würden die Wasserbilder Objekte aus Glas zeigen.