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Eine Schulklasse besucht im Jahr 1989 die Ornamenta im Reuchlinhaus. 2022 soll es wieder eine Ornamenta geben.  Ketterl/Seibel
Eine Schulklasse besucht im Jahr 1989 die Ornamenta im Reuchlinhaus. 2022 soll es wieder eine Ornamenta geben. Ketterl/Seibel
Jubiläumskoordinator Gerhard Baral.
Jubiläumskoordinator Gerhard Baral.
14.10.2015

Gerhard Baral spricht über die Gründung des Ornamenta-Vereins

Morgen soll im PZ-Forum der neue OrnamentaVerein gegründet werden. Welche Pläne der Verein hat und wie er die Bürger in das Jubiläum „250 Jahre Schmuck – Uhren – Design aus Pforzheim“ einbinden will, schildert Gesamtkoordinator Gerhard Baral im Gespräch mit PZ-Redakteurin Sandra Pfäfflin.

PZ: Warum gründet man einen Ornamenta-Verein, der für das Schmuckjubiläum 2017 Geld generieren soll, und erinnert damit an eine Schau von 1989?

Gerhard Baral: Weil wir die Ornamenta neu beleben wollen. Wir wollen in zwei Jahren nicht nur Schmuck thematisieren, sondern auch Architektur beleuchten, das Wohnen in der Innenstadt, das Ornament einer Stadtgesellschaft – also wie entwickelt sich eine Stadt, wie ihre Bevölkerungsstruktur. In einer Stadt mit 142 Nationen und 85 Prozent von Menschen, die keine Bindung haben über zwei Generationen hinweg, sind diese Themen wichtig. Wir wollen mit dem Schmuckjubiläum beginnen, aber der Ornamenta-Verein soll der Startpunkt sein, damit Pforzheim sich neu erfindet.

PZ: Was ist unter einem „Veranstaltungsformat Ornamenta“, wie in der Vereinssatzung angekündigt, zu verstehen?

Gerhard Baral: Die Ornamenta soll Grundthemen der Stadtentwicklung diskutieren. Wir wollen in diesem Verein und bei diesen Themen die Bürger mitnehmen – indem sie sich aktiv beteiligen können. Da ist der Förderverein die Grundlange. Bei einem symbolischen Mitgliedsbeitrag von 20,17 Euro, der jährlich um einen Cent steigt bis 2022, kann jeder mitmachen. Das eigentliche Veranstaltungs-Sponsoring für das Jubiläum soll bewusst nicht über diesen Verein geschehen. Wir werden einzelne Projekte auswählen, die wir über diesen Verein fördern.

PZ: Gibt es konkrete Projekte?

Gerhard Baral: Wir haben im Moment 78 Projekte auf dem Tisch liegen. Vorgestern haben wir Briefe an 400 Vereinigungen und Bürger in Pforzheim losgeschickt, in denen wir um konkrete Vorschläge bitten. Wir sind ein so kleines Team, wir können nicht alles selbst organisieren, wir brauchen vielmehr Partner, die ihre Vorschläge umsetzen. Von den 78 Projekten ist ein Drittel fest zugesagt, ein Drittel sind geplante Projekte, die jetzt in die Umsetzung kommen müssen. Und ein Drittel sind Optionen. Wir haben viele weitere Anfragen. Gerade habe ich beispielsweise eine Mail von der Stadtbibliothek bekommen: „Wir werden nicht bis zum gewünschten Termin am 15. November unsere Programme vorschlagen können, aber wir machen auf jeden Fall mit.“

PZ: Können Sie auf eine ähnlich euphorische Reaktion hoffen, wie sie Karlsruhe mit dem Stadtjubiläum erlebt hat?

Gerhard Baral: Wir haben Gespräche mit allen Ortsverwaltungen und Bürgervereinen geführt. Das war sehr positiv. So wird beispielsweise ein Rassler-Lauf über die historischen Strecken der Arbeiter in die Stadt organisiert. Mit den Sportvereinen und dem Deutschen Leichtathletikverband wollen wir einen Rassler-Halbmarathon veranstalten, um auch die jungen Menschen abzuholen. Wir müssen unsere Tradition neu erzählen, aber gleichzeitig auch auf die neuen Themen schauen.

PZ: Soll sich der neue Verein dabei auch um die Stadtgestaltung kümmern?

Gerhard Baral: Ja, allerdings durch Veranstaltungen. Wir werden keine Konkurrenz zu „Pforzheim mitgestalten“, sondern sehen uns als Ergänzung. Wir werden beispielsweise Architekten einbinden, wenn es um die Themen der Stadtgestaltung geht.

PZ: Gibt es schon eine Aufbruchstimmung in Hinblick auf 2017?

Gerhard Baral: Ich erlebe eher eine hohe Erwartungshaltung, die mir ziemlich schlaflose Nächte bereitet. Ich bin der Gesamtkoordinator, aber die Projekte müssen aus der Stadttgesellschaft kommen, wir sind gesamtverantwortlich dafür.

PZ: Haben Sie konkrete Zusagen für finanzielle Unterstützung?

Gerhard Baral: Eigentlich ist der Ausgangspunkt: Die Stadt ruft 2,8 Millionen Euro auf, und die gleiche Summe sollte dazukommen. Ich bin nicht so vermessen zu denken, dass uns dies gelingt. Aber ich hoffe, dass wir eine halbe bis eine Million zusätzliche Gelder einwerben können. Die brauchen wir dringend. Ich will eine große Eröffnungsgala machen, für die bislang nicht ein Cent gesichert ist. Eine große Projektion und Live-Performance zusammen mit dem Theater Pforzheim soll an zwei Tagen im CongressCentrum stattfinden. Das wird allerdings zwischen einer Viertel- und einer halben Million Euro kosten. Wir brauchen lokale Künstler dazu, aber auch Künstler von außen, wie beim „Titanic“-Projekt. Aber schauen wir mal, ob „Titanic“ überhaupt umgesetzt wird.

PZ: Wie groß ist die Chance, dass es tatsächlich eine Ornamenta II in sieben Jahren geben wird?

Gerhard Baral: Ich halte die Chance für sehr groß. Spätestens seit der Pforzheimer Gemeinderat Eindhoven besucht und dort erlebt hat, wie eine Stadt aus einer Krise heraus sich als Design-Center profiliert. Ich denke, das können wir mit unseren eigenen Akzenten auch hinbekommen. Wir müssen die Nachhaltigkeit aber wirklich wollen. Ein solches Projekt können wir sicher nur alle fünf Jahre stemmen.

PZ: Morgen soll bei der Gründungsversammlung gewählt werden. Sind schon Kandidaten für die Vorstandsämter vorhanden?

Gerhard Baral: Es freut mich wirklich sehr, dass Stefan Förster von Forestadent sich als erster Vorsitzender zur Verfügung stellt. Philipp Reisert von C. Hafner, der für den Schmuckverband die Jubiläums-Koordination betreut, würde als Stellvertreter fungieren, Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Stephan Scholl ist als Schatzmeister gedacht. Für das Kuratorium hätten wir beispielsweise Philipp Paschen in petto. Das zeigt, dass Menschen Verantwortung übernehmen – und das finde ich toll.