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Bekannt aus diversen TV-Formaten: der Comedian Abdelkarim.  Foto: Roller 

Geschicktes Spiel mit Vorurteilen: Comedian Abdelkarim im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Morgens um sieben Uhr im Zug, Berufsverkehr, belegte Plätze. Und irgendeiner kommt immer auf die Idee, sein Wurstbrot auszupacken. Eines, das so aussieht wie eine Hantel mit den dicken Scheiben zwischen den zwei Brothälften. Abdelkarim hasst so etwas, wirklich. Aber so richtig unangenehm wird es erst, wenn die Türen aufgehen und der Luftzug kommt. Dann muss er Schwein riechen. „Das ist so eine Art Zwangsintegration“, sagt der gebürtige Marokkaner am Donnerstagabend im sehr gut besuchten Kulturhaus Osterfeld und lacht.

Mit Vorurteilen zu spielen, seine Zuhörer in Verlegenheit zu bringen, das ist genau sein Ding. Um politische Korrektheit schert sich der „Deutsche mit Einwanderungsoptik“ nicht. Warum auch? Er legt den Finger lieber tief in die Wunde und spricht die Themen an, die viele seiner Zuhörer vermutlich gerne geschickt umschiffen. Etwa die Frage, ob man „Schwarzer“ überhaupt noch sagen darf oder ob „Farbiger“ mittlerweile nicht besser wäre. „Also ich habe viele gesehen, aber keiner war farbig.“

Eine Botschaft am Ende

Von der Polizei kontrolliert worden ist er schon öfter und weiß deshalb: „Zivilpolizisten haben die karierten Hemden an, die sonst keiner kauft.“ Abdelkarim nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Mit Jogginghose und Lederjacke steht er auf der Bühne und berichtet von seinen Erfahrungen mit der Bahn, von seinem Kumpel beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und von seinem Besuch in einem Programmkino: „Die Filme fangen ganz langsam an und halten dann das Tempo.“

Als er noch klein war, hat er andere Streifen geguckt: mit Jean-Claude Van Damme. Von seiner Kindheit erzählt Abdelkarim ebenso wie von frechen Jugendlichen, die viele englische Wörter benutzen und viele „Brüder“ haben.

Apropos Sprache: Vom Publikum lässt er sich erklären, was „Gutsele“ und „Gsälz“ bedeuten. Als der Abend nach zwei Stunden in tosendem Beifall endet, gibt er den Zuhörern eine Botschaft mit auf den Weg: „Lasst Euch nicht verarschen von extremen Menschen – egal, woher sie kommen.“