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Kang-Un Kim
Kang-Un Kim
26.07.2016

Geschmeidig-sinnlicher Klang beim „Podium junger Künstler“

Mühlacker-Lienzingen. Erfrischend jung wirkten nicht nur die Interpreten, sondern auch die von ihnen aufgeführte Musik: Der „Musikalische Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche präsentierte zum wiederholten Mal mit seinem „Podium junger Künstler“ nach dreitägiger Workshop-Phase Frühwerke klassischer Komponisten.

Unter der dynamisch ausgerichteten Leitung von Simon Wallinger interpretierte zu Beginn der Konzert-Matinée das „Podium-Orchester“ Joseph Haydns Divertimento in G-Dur (Hob II:G1) als locker gereihte mehrsätzige Komposition von überwiegend heiterem und wegen der Bläserbeteiligung (darunter zwei Hörner) auch jagdlichem Charakter.

Herausragend dann die Wiedergabe von Mozarts Klavierkonzert Nummer 9 Es-Dur (KV 271), das als „Jeunehomme“-Konzert (nach dem Namen einer Pariser Pianistin) bekannt wurde. Selbstbewusst meisterte der ARD-Wettbewerbspreisträger Kang-Un Kim seinen kühnen Solopart – nicht als Tasten-Löwe, aber als Klavier-Poet der Extraklasse. Zu einem abgrundtiefen Ausdrucksschwerpunkt verdichtete Kang-Un Kim das dunkel klagende Andantino. Das temperamentvolle Finale war von brillanter Virtuosität geprägt.

Viel mehr als eine blasse Kopie

Das Konzertprogramm gipfelte in der Aufführung des Klaviersextetts D-Dur (op.110) von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dem Geniestreich des 15-jährigen Komponisten wird zuweilen Nachahmung fremder Muster (vor allem von Franz Schuberts „Forellenquintett“) nachgesagt. Das Werk ist aber – und das zeigte sich in Lienzingen – ein klangschönes, mitreißendes Meisterwerk.

Das Ensemble „Junge Münchner Solisten“ – mit Kulakov Tarasov (Violine), Kang-Rok Nam und Jenny Joelson (Bratschen), Yu-Ching Wang (Cello), Simon Wallinger (Bass) und Kang-Un Kim (Klavier) – begeisterte mit einem elfenhaft zarten Adagio. Im Menuett wurde gestaut und beschleunigt, ohne den natürlichen Fluss der Melodien zu beschädigen, um schließlich mit fast orchestraler Wucht in das finale Allegro vivace einzumünden. Der geschmeidige Klang des Sextetts war umwerfend schön.