760_0900_117304_DSC00308.jpg
Hohe farbliche Empfindsamkeit: Die Neuenbürger Künstlerin Ute Middel stellt ab Sonntag im Hohenwart Forum aus.  Foto: Moritz 

Gesehen, geträumt - Reise in die Innenwelt: Ute Middel eröffnet Ausstellung im Hohenwart Forum

Pforzheim. Mit ihren textilen Kreationen ist die Neuenbürgerin Ute Middel in der Region wohlbekannt. Häufig verkauft sie die Stücke auf den hiesigen kip-Kunstmärkten, die sie selbst organisiert. Dass Ute Middel jedoch zweigleisig unterwegs ist und „eigentlich schon immer“ malt, wie sie sagt, dürfte nicht jeder wissen. „Über die Malerei bin ich überhaupt auf textile Techniken gestoßen“, sagt die 77-Jährige, die 1958 bis 1963 an der damaligen Kunst- und Werkschule Pforzheim studierte, wo sie bis 1975 einen Lehrauftrag hatte.

Nach ihrer Einzelausstellung in der Künstlergilde Buslat vor zwei Jahren zeigt Middel nun etwa 40 Bilder im Hohenwart Forum. Ihr einst in Pforzheim erlerntes Gespür für Zeichnerisches und Figürliches sieht man den Malereien an. Sie sind in den vergangenen gut zehn Jahren entstanden – halb gegenständlich, halb abstrakt.

760_0900_117306_DSC00481.jpg
Bunt bewegte Menschenmenge: Szenerie aus Marokko. Foto: Moritz

Der Ausgangspunkt für die Arbeiten von Ute Middel ist die Betrachtung der Natur und des Menschen als ein Teil von ihr: Szenerien aus der Bretagne und Marokko, Eindrücke von Landschaften oder zum Wechsel der Jahreszeiten, die sie in ihre eigene Bildsprache übersetzt. „Quittengelb“ und „Holundergrün“, „Blütenschnee“ und „Sur la Plage“, „Himmel über der Wüste“ und „Zwischen Heidekraut und Meer“ – so nennt Middel ihre Werke. Auf genaue Orte will sie sich damit nicht beziehen. „Sie entwickeln sich während des Malens in meiner Fantasie.“

Die Künstlerin nennt ihre Werke Reisebilder und meint damit nicht nur das Verreisen in eine fremde Landschaft, sondern auch die Reise in die eigene Innenwelt: Erlebnisse, Erfahrungen, Gesehenes und Geträumtes.

760_0900_117305_DSC00484.jpg
Inspiriert von der Natur: Der Malprozess ist gekennzeichnet durch mehrmaliges Übereinandersetzen von Farbschichten. Foto: Moritz

Oft mit dem Charme einer Studie, schafft die Malerin den Eindruck einer bunt bewegten Menschenmenge, einer Karawane, einer Gruppe von Schiffen. Der Betrachter fühlt sich gleichsam von einem flüchtigen Blick in den Bann gezogen, der doch das Typische festhält und die richtige Zuordnung erlaubt. „Man soll immer wieder Eigenes darin sehen und finden können“, sagt sie selbst.

Charakteristisch sind eine hohe farbliche Empfindsamkeit und das Zusammenspiel von malerischen Elementen, grafischen Strukturen und zeichnerischen Versatzstücken. Der Bildaufbau wird entscheidend geprägt durch eine wiederkehrende Reihe von Formen, Symbolen und Linien, die den Rhythmus der Arbeiten ausmachen. Für die Künstlerin, die 1981 die Kunstinitiative Pforzheim (kip) mitgründete, spielt die prozesshafte Veränderung der Bildtextur eine wesentliche Rolle. Der Malprozess ist gekennzeichnet durch mehrmaliges Übereinandersetzen von Farbschichten „Durch einen vielschichtigen und gewollt unregelmäßigen Farbauftrag mit Spachtel erweckt das Bild Assoziationen zum brüchigen Wandputz oder zu Fresken mit einer reizvollen Patina“, sagt Kuratorin Krisztina Jütten, die auf der Vernissage die Einführung spricht.

Die Ausstellung im Hohenwart Forum, Schönbornstraße 25, in Pforzheim wird am Sonntag um 11 Uhr mit einem Art-Gottesdienst eröffnet. Sie ist bis 13. September zu sehen: montags bis samstags von 8 bis 19 Uhr, sonntags von 8 bis 16 Uhr. Internet: www.hohenwart-forum.de

Michael Müller

Michael Müller

Zur Autorenseite