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Virtuoses Spiel: Müller, Lakatos und Atzmon (von rechts). Foto: Roller

Gilad Atzmon, Tony Lakatos und Johannes Müller begeistern im „domicile“

Pforzheim. „Are you ready?“, fragt Gilad Atzmon seine Kollegen. Sie sind bereit und fangen an, auf ihren Tenorsaxophonen zu spielen. Sie machen Musik, die so farbenreich und vielgestaltig ist, dass sie sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt. Musik, die einlädt, sich entspannt zurückzulehnen und die Gedanken schweifen zu lassen. Genau das tut das Publikum am Montagabend im Jazzclub „domicile“: Es hört zu, lässt die Musik auf sich wirken. Manche wippen mit den Füßen, andere nicken leicht mit dem Kopf, während Atzmon, Tony Lakatos und Johannes Müller sich stilsicher in von harten Wendungen, gewollten Dissonanzen und scharfen Klängen geprägte Stücke und durch harmonische Labyrinthe manövrieren.

Mitreißenden, nach Bebop klingenden Jazz haben die „drei Tenöre“ im Gepäck. Stücke wie „Impressions“ und „Naima“, bei denen sie das Publikum mit ihrer unbändigen Spielfreude in Bann ziehen. Genüsslich brechen sie Strukturen auf, isolieren einzelne Motive und improvisieren, wo immer es möglich ist. Mal gleiten die Melodien ohne Hast vor sich hin, mal scheinen grelle Farben auf. Jeder der drei Musiker hat eine ganz eigene Persönlichkeit, einen ganz eigenen Stil. Müller zum Beispiel ist ein Meister darin, seinem Instrument wilde Wirbel zu entlocken, während er leicht in die Knie geht. Lakatos scheint in seinen vor Kraft nur so strotzenden Soli nie Luft holen zu müssen. Immer wenn man denkt, er höre auf, legt der aus Ungarn stammende Musiker noch einen obendrauf. Fast so, als mache es ihm Spaß, die Erwartungshaltung seines Publikums zu durchbrechen.

Um Konventionen scheint sich auch Gilad Atzmon nicht zu scheren. Das Tenorsaxofon des in Jerusalem geborenen Künstlers klingt immer butterweich, fast schon lyrisch – egal, wie sehr er es bei seiner zupackenden Spielweise malträtiert. Bei ihm fließen die Melodien vor sich hin und ineinander. Wie ein reißender Strom ergießen sie sich über das staunende Publikum. Immer wieder baut er Zitate und Anspielungen in seine Improvisationen ein. Ständig sucht er den Blickkontakt zu seinen Mitspielern. Denn auch wenn alle drei zur Weltelite des Jazz gehören, wird das Konzert nicht zum Wettstreit zwischen ihnen. Sie setzen zwar eigene Akzente, spielen aber zusammen, nicht gegeneinander. Immer genau auf den Punkt. Ist der eine fertig, legt der andere los.

Unterstützt werden die Drei von Thilo Wagner (Piano), Yaron Stavi (Kontrabass) und Enzo Zirilli (Schlagzeug). Drei begabte Musiker, die mehr sind als bloß die Rhythmusgruppe der „drei Tenöre“. Sie beenden ihr Konzert nach mehr als zwei Stunden so, wie sie es begonnen hatten: Zu dritt nebeneinanderstehend. Auf tosenden Beifall folgt die Zugabe.