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Klarinetten-Virtuose Giora Feidman wird vom Publikum gemeinsam mit Kira Kraftzoff (links) und Kirill Timofeev vom Rastrelli Cello Quartett frenetisch gefeiert. Roller
Klarinetten-Virtuose Giora Feidman wird vom Publikum gemeinsam mit Kira Kraftzoff (links) und Kirill Timofeev vom Rastrelli Cello Quartett frenetisch gefeiert. Roller
13.01.2017

Giora Feidman begeistert in der Christuskirche mit Beatles-Songs

Das gibt es auch nicht alle Tage: dass ein Musiker schon minutenlangen tosenden Applaus erhält, bevor er nur einen Ton gespielt hat. Und dass er von seinen Fans frenetisch gefeiert wird, bevor er die Bühne überhaupt richtig betreten hat.

Bei Giora Feidman ist das aber so. Vollkommen zu Recht, wie das Konzert zeigt, das er in der Pforzheimer Christuskirche gibt. Zusammen mit dem Rastrelli Cello Quartett und dem Jerusalem Duo spielt er ausschließlich Stücke der Beatles. Warum gerade die Pilzköpfe aus England? „It’s such a beautiful music“, würdigt Feidman in gebrochenem Englisch die „so schöne Musik“. Schließlich versteht sich der Mann mit der Klarinette, der „König des Klezmer“ und Träger unzähliger internationaler Auszeichnungen, als eine Art Brückenbauer zwischen verschiedenen Kulturen, Generationen und Nationalitäten.

Und welche Musik könnte wohl besser geeignet sein, um Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft zusammenzubringen als die der „Fab Four“? Egal ob jung oder alt, Hits wie „Yesterday“, „All My Loving“ oder „Let It Be“ hat fast jeder schon mal gehört. Aber bestimmt nicht so, wie Feidman sie zusammen mit Kira Kraftzoff, Kirill Timofeev, Mikhail Degtjareff und Sergio Drabkin vom Rastrelli Cello Quartett zu Gehör bringt: Bei „Yesterday“ etwa sind die ersten Töne auf seiner Klarinette noch so verhalten und zart, dass man sie in den hinteren Reihen wohl fast nicht hören kann. Es dauert nicht lange, bis ein dynamisches Wechselspiel mit den Cellisten seinen Anfang nimmt, das nahtlos in das nächste Stück, „Sergeant Peppers Lonely Club Band“, übergeht und dort wuchtig endet. Feidman und die Rastrelli-Cellisten erhalten das erste Mal tosenden Beifall. Doch damit nicht genug: Die erste Zugabe ist schon vor der Pause nötig und wird gerne gewährt.

Gut gelaunter Plauderer

Schließlich stehe weder im Alten noch im Neuen Testament noch im Koran, dass man so etwas nicht dürfe, meint der gut gelaunte Klarinetten-Virtuose, der immer wieder mit dem Publikum scherzt, von seinen Enkeln erzählt und sich am Ende noch Zeit zum Signieren der verkauften CDs nimmt. Schade nur, dass man seine sehr leise vorgetragenen Moderationen in den ersten Reihen der Christuskirche kaum versteht. Aber seine Worte stehen an diesem Abend sowieso nicht im Mittelpunkt, sondern seine Musik. Gut anderthalb Stunden lang verwöhnt der 80-Jährige sein Publikum mit einem brillanten Klarinettenspiel, das selbst feinste Nuancen abzubilden vermag. Bei „Norwegian Wood“ geht es jazzig zu, bei „Honey Pie“ wird es fröhlich-heiter, und von „Let It Be“ erklingt nur der leise Anfang, den Feidman effektvoll und mit großer Präzision in Szene setzt. Die Übergänge sind derart fließend, dass man manchmal kaum bemerkt, dass schon längst das nächste Stück gespielt wird.

Bei „Dizzy Miss Lizzy“ zeigen dann die Rastrelli-Musiker mit viel Leidenschaft auch mal ganz allein, welche Klangpracht in ihren Instrumenten steckt. Eindrucksvoll auch das Spiel von Andre Tsirlin am Sopran-Saxofon und Hila Ofek an der Harfe. Das Jerusalem Duo begeistert mit einem harmonischen Zusammenspiel, das schön den sanften Klang der Harfe mit den strahlend hellen Melodiebögen des Saxofons verbindet. Am Ende sind dann nochmal zwei Zugaben nötig, bevor das stehend applaudierende Publikum auch nur ansatzweise zum Gehen bereit ist.