nach oben
Gisela Storck liest in der Bibliothek aus „Palmeselkönig“. Foto: Molnar
Gisela Storck liest in der Bibliothek aus „Palmeselkönig“. Foto: Molnar
27.02.2017

Gisela Storck liest aus „Palmeselkönig“ von Renate Schostack in Stadtbibliothek

Pforzheim. Lebhafter kann man sich die Situation nicht vorstellen. Drei Freunde teilen sich eine Wohnung und verscherbeln alles, um sich ein Kunstwerk leisten zu können – den hölzernen „Palmeselkönig“. Doch der Einzug des Heiligen, von dem zunächst ein Zauber ausgeht, ist alles andere als Glück. Er nimmt Besitz von ihnen, verändert ihr Leben. Die drei gehen nicht mehr aus, hören keine Musik, essen spartanisch. „War das die Sache wert?“, liest Gisela Storck aus der Erzählung „Palmeselkönig“ von Renate Schostack.

Die 1938 in Pforzheim geborene Schriftstellerin und Journalistin war im vergangenen Jahr überraschend verstorben, Storck widmet sich ihr mit einer Lesung in der Reihe „Gut und schön“ in der Stadtbibliothek. Mit großer Lebendigkeit zeichnet die Schauspielerin die Entwicklung der drei Freunde auf, wie sie der Liebe zu dem Kunstwerk verfallen und sich immer mehr angiften – bis das „Gemisch von unterdrückter Wut, Scham und Reue“ explodiert. Von Anfang an zieht Storck mit ihrer tiefen Stimme hinein ins Geschehen. Sie setzt Pausen, spricht manchmal wie in Trance. Doch als die Liebe in Habgier umschlägt, bekommt ihre Stimme etwas Wirsches, Gehässiges und überschlägt sich mit Zuspitzung des Konflikts. „Sie schlug und drosch und hieb, dass die Splitter flogen“, jagt sie durch die Zeilen und fragt am Ende das Publikum: „Haben Sie verstanden, warum sie die Statue kaputtgemacht hat? Sie wollte sie für sich allein haben“, so Storck.

Heiter-genießerischer Ton

Auch bei der Erzählung „Porträt einer dicken Frau“ aus Schostacks 1998 erschienenem Erzählband „Palmeselkönig“ frönt die Titelfigur einer Leidenschaft: dem Kochen – und Bewahren junger Menschen vor „falschen Berufen und Ehen“. Doch dieses Mal schlägt Storck einen anderen Ton an, einen heiter-genießerischen. „Sie verwöhnte das junge Volk mit Lammkoteletts in Pfefferminzsoße“, schwärmt sie regelrecht beim Lesen über die englische Witwe, die immerzu raucht und knallbunte Kleider trägt. Deren Plan, die junge Ursula mit einem vernünftigen Pianisten zu verheiraten, geht nicht auf. Und so beschließt sie, sich „wieder zurückzuziehen auf das Privileg des Alters, das Vergnügen, die Leute machen zu lassen.“ Eine weise Entscheidung, die die Rezitatorin vermittelt.