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Die Gitarristin Nadja Kossinskaja in der Werkstatt-Atmosphäre bei Jakob Frank, der in Pforzheim an der Östlichen Instrumente aus Hanf baut.  Foto: Moritz 

Gitarrenvirtuosin auf Stippvisite in Pforzheim: Musikerin aus Tecklenburg reist zu aus Bauschlott stammenden Gitarrenbauer

Pforzheim. Da staunt selbst die ukrainische Ausnahmegitarristin Nadia Kossinskaja: Mit „gewaltig“ beschreibt sie spontan und lächelnd die enorme Klangfülle des von Jakob Frank (Canna Guitars) aus Hanffasern gebauten Saiteninstruments, als sie es zum ersten Mal in Händen hält. Um es zu testen, ist die Musikerin aus Tecklenburg nach Pforzheim gereist, wo an diesem Mittwochnachmittag in Franks Werkstatt die Dreharbeiten für die Sendung „Vollwert“ von Bibel TV und BW Family starten. „Hempstone“, verrät der aus Bauschlott stammende Gitarrenbauer, „habe ich während meines Studiums an der Hochschule Pforzheim entdeckt“.

Die aus dem Hanffaserverbundstoff dreidimensional geformten Gitarrenkörper bezieht er vom österreichischen Produzenten Norbert Schmid (Drumparam), der in Weitra aus dem steinharten Material Didgeridoos und Djembé-Trommeln fertigt.

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Gitarristin Nadja Kossinskaja bei Gitarrenbauer Jakob Frank

Rasch schließt Nadia Kossinskaja einen kleinen, tragbaren Verstärker an und gibt eine Kostprobe ihrer fingerfertigen Kunst: „Carillon“ – eine Komposition des italienischen Autodidakten Benvenuto Terzi, die eine Gitarre dank Tapping und Flageolette wie eine Spieluhr klingen lässt. Natürlich nur, wenn man diese technischen Finessen so exakt zu spielen vermag wie sie. Auch bei ihrer Interpretation des bekannten Mason-Williams-Titels „Classical Gas“ fällt auf, dass sie völlig ohne die bei Fingerpickern üblichen Schleif- und Gleitgeräusche auskommt.

„Das liegt an meiner klassischen Ausbildung“, erläutert Kossinskaja. „Meine Professorin in Kiew war sehr streng.“

Sie hat Preise bei elf internationalen Wettbewerben in England und Österreich, in Polen, Spanien und in der Ukraine gewonnen. Inzwischen sei der musikalische Crossover „ihr Ding“. Auf der Bühne stand sie bereits mit Peter Maffay, Tommy Emmanuel und Sarah Brightman auf der Bühne. Corona habe zwar den Terminfahrplan durcheinandergewirbelt, aber Langeweile kommt trotz vieler Absagen nicht auf: Nadia Kossinskaja wurde an der Gitarre nicht nur im Fach Konzert, sondern auch in Pädagogik ausgebildet. Mit ihrer Online-Gitarrenschule erleichtert sie nun jungen Musikbegeisterten den Zugang zu Instrument und Spieltechnik. „Es gibt immer spannende Alternativen“, macht sie deutlich, „gerade die moderne Kommunikationstechnik bietet hierfür viele Möglichkeiten“. Paradebeispiel: Ihre feinsinnig-virtuose Interpretation von Astor Piazollas „Oblivion“ erfreut sich derzeit im Netz größter Beliebtheit.

Infos auf www.kossinskaja.com