nach oben
Mit Lukas Schmid-Wedekind und der Mezzosopranistin Lisa Wedekind stellte sich ein neu engagiertes Künstlerehepaar vor. Foto: Meyer
Lockerleicht: die Moderation von Chefdramaturg Peter Oppermann, Intendant Thomas Münstermann sowie Schauspieldirektor Hannes Hametner (von links). Foto: Meyer
Meisterhaft zynisch: Tenor Dennis Marr. Foto: Meyer
16.07.2018

„Glanzlichter“ – Schlusspunkt einer erfolgreichen Theatersaison in Pforzheim

Pforzheim. Ein sommerlicher Salon in warmen Orangetönen empfing das Publikum des „Glanzlichter“-Abends zum Abschluss der Spielzeit im Theater Pforzheim. Giuseppe Arcimboldos Obst- und Gemüse-Kompositporträts „Sommer“ und „Herbst“ verwiesen auf das, was jetzt zu Ende ging, und das, was in der neuen Spielzeit ab September bevorsteht.

Ensemble-Mitglieder aller drei Sparten servierten schmackhafte Appetithäppchen, mit Spielfreude und angenehm zurückhaltender Eleganz auf der Bühne sichtbar begleitet von der Badischen Philharmonie unter wechselnder Leitung von Generalmusikdirektor Markus Huber und seinen Kapellmeistern. Die launige Moderation teilten sich Intendant Thomas Münstermann, Markus Huber, Schauspieldirektor Hannes Hametner, Chefdramaturg Peter Oppermann und Ballettdirektor Guido Markowetz.

Bildergalerie: Glanzlichter im Theater Pforzheim

Vier Ballettsolisten und der Opernchor gaben mit dem „Sanctus“ aus dem Mozart-Requiem einen Rückblick auf diese außergewöhnliche Produktion. Wie sich Anziehung und Abneigung personifizieren und aus Hass Liebe wird, zeigten zwei anmutig fließende Pas de deux aus der neuen Ballettproduktion „Metamorphosen“ mit Musik von Philipp Glass. Konstanze Fischer stellte für das Schauspiel mit einem improvisierten Sonett Shakespeares „Wie es euch gefällt“ vor. Dennis Marr beschrieb in seinem Song „Was zahlen Sie für einen Rat“ aus der Weill-Oper „Der Silbersee“ bankerhaft zynisch, wie man zu Geld kommt. Mit dem Bass Lukas Schmid-Wedekind und der Mezzosopranistin Lisa Wedekind stellte sich ein neu engagiertes Künstlerehepaar vor, das als Zsupan (Strauß: Zigeunerbaron) sowie Erda und Wotan (Wagner: Rheingold) darstellerisch und auch gesanglich einzunehmen verstand. Mit einer gerockten Version von Monteverdis „Krönung der Poppea“ verabschiedete sich Gabriela Zamfirescu von der Pforzheimer Bühne.

Den Höhepunkt des ersten Teils gestalteten die Sängerinnen Danielle Rohr, Dorothee Böhnisch und Stamatia Gerothanasi, die mit Arien von Mozart, Ponchielli und Verdi ihre großen gesanglichen Fähigkeiten demonstrierten und dafür begeistert gefeiert wurden.

Einen virtuosen Vorgeschmack auf das 1. Sinfoniekonzert (mit Olli Mustonnen als Solist) gab mit großer Attitüde Solorepetitor Yonatan Cohen mit dem Beginn von Tschaikowskys Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-moll. Lars Fabian als Dr. Pfeiffer aus der „Feuerzangenbowle“ sorgte mit seinem Lorelei-Lied für Heiterkeit, bevor Lilian Huynen und Klaus Geber samt Band die Stimmung mit einem weltumspannenden Urlaubsmedley anheizten.

Diese war nicht mehr zu übertreffen, als die beiden „Königinnen der Nacht“ Elisandra Melián und Natasha Sallès sich (und Mozart) mit immer noch höheren Sopran-Tönen zu übertreffen suchten. Philipp Werner mit seinem weichen Tenor besänftigte danach mit „Ich bin, was ich bin“ aus „Ein Käfig voller Narren“ die Atmosphäre wieder, bevor Paul Jadach als Doktor Schiwago einen Ausblick auf die spannende Musical-Produktion der neuen Saison gab. Zum Abschluss erklang „Ja, das Eisen wird gefüge“ aus dem Zigeunerbaron mit drei (gewollt oder ungewollt?) nicht ganz schlagsicheren Kapellmeistern am Eisen in Form einer Eisenbahnschiene.

Das Publikum belohnte die gelungenen Darbietungen mit begeistertem Applaus und – wie nicht anders zu erwarten – Standing Ovations, bevor alle zum Sommerfest vor das Haus strömten. Die bevorstehenden Theaterferien sind redlich verdient!