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Mark Mast dirigiert die Philharmonie Baden-Baden. 

Glanzvoller Auftakt des Schwarzwald Musikfestivals

Bad Wildbad. Es war schon frappierend, mit nur knapp hundert Gästen in einem großen Konzertsaal zu sitzen – zumal das Schwarzwald Musikfestival zum Eröffnungskonzert mit dem vierten Beethovenzyklus in die Bad Wildbader Liederhalle eingeladen hatte. Die gekommen waren, erlebten einen besonders durch den Pianisten Alexej Gorlatch geprägten, eindrücklichen musikalischen Abend mit dem Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur und der vergleichsweise seltener gespielten Sinfonie Nr. 4 in B-Dur. Klar und unprätentiös präsentierte sich die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Mark Mast, grandios der Pianist mit seiner spielerischen Dynamik und Anschlagsdelikatesse.

Das Programm begann etwas verhalten mit Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel "Coriolan" in c-Moll, als Schauspielouvertüre zum gleichnamigen Drama von Heinrich Joseph von Collin komponiert. Völlig gelöst vom literarischen Entwurf hat sich die Ouvertüre als eigenständiges Werk etabliert, geprägt von einem Hauptthemenblock mit wuchtigen Intervallsprüngen und beladen mit Emotionen. Schnörkellos interpretierte es Mast mit dem Orchester – klassische Musik ganz klassisch, aber ohne Traditionsballast. So wie Mast überhaupt in seinem schwungvollen Dirigat auf aufgesetzte Dramatik verzichtete.

Ein Höhepunkt des Abends war zweifellos der international gefeierte Pianist Alexej Gorlatch, der das Klavierkonzert Nr. 4 zum Strahlen brachte und ihm virtuosen Glanz verlieh. Mit punktgenauer Präsenz setzte er Akzente, lotete Beethovens musikalische Wucht ebenso wie die leisen, lyrischen Passagen aus. Mitreißend in seiner Interpretation der schnellen Stimmungs- und Tempowechsel ließ Gorlatch delikate, innige Motivteile aufleuchten, brillierte mit Kaskaden von fliegenden Läufen und gewaltigen Akkorden.

Orchester kommt bei Symphonie Nr. 4 richtig in Schwung

An den Beginn des Satzes hat Beethoven als damalige musikalische Sensation eine Solo-Klavier-Eröffnung mit einem lyrisch-zarten Thema leiser G-Dur Akkorde gestellt, erst dann setzt das Orchester ein. Das folgende Zusammenspiel gestaltet sich als ausgeglichener Dialog, als Partnerschaft mit Gegenbewegungen – ein bestimmendes Element dieses Werks: Orchester und Klavierstimme reagieren aufeinander mit gegenläufiger Stimmungen.

Mast ließ die Streicher unaufdringlich, aber intensiv die durch den Pianisten vorgegebene Grundstimmung übernehmen. Der sensible, harmonische Dialog schien der Musik Luft zum Atmen zu geben und ließ dabei dem Pianisten Raum, das große emotionale und spielerische Spektrum auszuloten, Dramatik und leise poetische Momente zu einer Einheit zu verschmelzen. Die Begeisterung des Publikums galt ebenso dem Werk wie dem Interpreten.

So richtig in Schwung kam das Orchester mit großer Lebendigkeit und inspirierendem Kontrastreichtum dann bei Beethovens klanggewaltiger Symphonie Nr. 4, die im Schatten der bedeutungsschweren Dritten und Fünften steht und mit ihrer scheinbar heiteren Problemlosigkeit einen eher vergnüglichen Zugriff des Orchesters erlaubt. So brach sich auch bei den Symphonikern eine mitreißende Spielfreude Bahn, energetisch aufgeladen und auch von klarer, sauberer Intonation getragen.

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Bejubelt: Pianist Alexej Gorlatch.