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Mit dunklem Sopran: Elisandra Melian. Foto: Tilo Keller
Mit dunklem Sopran: Elisandra Melian. Foto: Tilo Keller
Die Badische Philharmonie unter der Leitung von Markus Huber überzeugte mit Solist Robert Nagy, der das Violoncello-Konzert von Antonín Dvorák technisch unerhört sauber spielte. Foto: Tilo Keller
Die Badische Philharmonie unter der Leitung von Markus Huber überzeugte mit Solist Robert Nagy, der das Violoncello-Konzert von Antonín Dvorák technisch unerhört sauber spielte. Foto: Tilo Keller
05.12.2017

Glanzvolles 2. Sinfoniekonzert der Badischen Philharmonie Pforzheim

Pforzheim. Akkurat und wie eine Skulptur sitzt der schlanke, elegante Zwei-Meter-Mann mit seinem Cello auf erhöhtem Podest unübersehbar vor dem Orchester auf der Bühne, dem Publikum frontal zugewandt. Mit der Badischen Philharmonie Pforzheim, die sich durch zahlreiche Gäste bei Streichern und Bläsern sinfonisch verstärkt hat, gibt Robert Nagy das Violoncello-Konzert in h-Moll, op. 104, von Antonín Dvorák. Viele berühmte Cellisten haben das populäre Konzert – wie Nagy auch – auf CD eingespielt. Nagys Wiedergabe beeindruckt mit anderen Klangstimmungen als das Spiel der meisten Stars auf den Silberscheiben.

Sein Instrument klingt weniger überzuckert, weniger fett und sonor in der Tiefe, weniger süß in verlängerten Spitzentönen. Ja, Nagy musiziert eigentlich seinem Äußeren entsprechend: mit schlanken Klanglinien und eleganter Tongebung, technisch unerhört sauber. Leidenschaftliches Aufbegehren, sich verzehrender Schmerz und Trauer in warmen Folklorefarben, wie sie andere Solisten bei Dvorák exzessiv auskosten, weichen – das überrascht bei einem Musiker aus Ungarn – einer eher abgekühlten Akkuratesse, mit der er die enormen virtuosen Anforderungen der Komposition grandios bewältigt.

Im Kopfsatz zeichnet sich unter Markus Hubers Leitung zunächst das Orchester aus, welches das Hauptthema, anfangs verhalten, dann mit mächtigen Tutti ausbreitet, wobei sich die Hörner gold-gleißend hervortun. Anschließend lässt Nagy sein Cello mit viel Vibrato jubilierend singen. Die von Huber im folgenden Adagio breit angeschlagenen Tempi verdichten sich im Cello-Spiel zu zarter Klangpoesie, zu einem traurig-schönen Lied ohne Worte, das in ein anrührendes Zwiegespräch mit den Bläsern einmündet. Im erregten g-Moll-Mittelteil folgen Orchester-Ausbrüche, nach denen das solistische Cello Dvoráks Lied „Lasst mich allein“ zitiert. Man sagt, der Komponist habe diesen Satz unter dem Eindruck seiner schweren Krankheit geschrieben. Im Finalsatz setzt Nagy nach dem Hörner-Terzett energisch ein, um sich erneut auf klangintensive, intime Dialoge mit einzelnen Bläserstimmen einzulassen. Tänzerische Passagen bauen die Spannungen bis zum wehmütigen Ausklang ab.

Nach der Pause interpretiert das Pforzheimer Theater-Orchester, durch Harmonium, Klavier und eine große Basstrommel erweitert, die Kammermusik-Fassung von Gustav Mahlers 4. Sinfonie in G-Dur – ein ganz besonderes Werk. Locker hüpfende Schellen und naturhafte Klänge bestimmen zu pochenden Rhythmen den ersten Satz. Groteske Abschnitte, deren Totentanz-Charakter Huber mit seiner Badischen Philharmonie akzentuiert ausformuliert, zeichnen den zweiten aus. Der dritte Satz leitet nach einer herrlichen Oboen-Passage mit triumphalem Aufschwung zum Finale über, dem sinfonisch belebten Lied „Das himmlische Leben“.

Jetzt schreitet im ConcressCentrum die Sängerin Elisandra Melián vom Pforzheimer Theater-Ensemble mit strahlendem Charme auf die Bühne und brilliert mit ihrer Kunst. Das Orchester intoniert bei ihrem Auftritt Jubelfanfaren, und Meliáns glockiger, dunkel timbrierter Sopran spannt klangschöne Melodiebögen über das instrumentale Getümmel. Den Abschluss der Mahler-Sinfonie und gleichzeitig des glanzvollen Abends markiert ein leise verdämmernder Klavierton. Beide Teile dieses Konzerts werden vom Publikum dankbar goutiert und mit anhaltendem Beifall bedacht.