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Zum ersten Mal ausgestellt: Statuette des Königs Chephren in der Schau „PharaonenGold“. Foto: Dietze

Gold – das Fleisch der Götter: „Weltsensationen“ aus Pharaonengräbern

Völklingen. Meinrad Maria Grewenig, der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, gerät in Erklärungsnot. „Eigentlich müsste ich fast an jeder Vitrine von einer ‚Weltsensation‘ sprechen“, sagt er, als er die ersten Pressevertreter durch die riesige Gebläsehalle des früheren Eisenwerkes führt. Denn die letzte große Wechselausstellung, die der 64-Jährige hier in seiner Amtszeit präsentiert, hat in mehrfacher Hinsicht Strahlkraft: Sie zeigt Pharaonen-Gold aus 3000 Jahren altägyptischer Hochkultur.

Sammler bleiben anonym

Das Besondere: Die meisten der 160 Leihgaben stammen von internationalen Privatsammlern, die anonym bleiben möchten. „Zahlreiche Exponate sind weltweit zum ersten Mal überhaupt zu sehen“, sagt Grewenig. Andere Exponate stammen aus den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Kunsthistorischen Museum Wien und dem Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim.

Gold war für die alten Ägypter das Symbol des ewigen Lebens und das heiligste Metall, weshalb sie es auch als das Fleisch der Götter bezeichneten. Auf Erden sorgten die Pharaonen im Glauben der alten Ägypter für die Ordnung und Ausgewogenheit der Welt. Die Grabbeigaben aus Gold sollten die Pharaonen unsterblich machen. Dabei spannt die Ausstellung, die bis zum 24. November zu sehen ist, einen Bogen von der dritten Dynastie (etwa 2680 vor Christus) bis zur Ptolemäischen Periode (306 bis 30 vor Christus).

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Gold – das Fleisch der Götter: „Weltsensationen“ aus Pharaonengräbern

Eine jener Weltsensationen, von der Grewenig spricht, ist nur ganze sechs Zentimeter groß: Es ist die älteste bekannte Statuette eines Königs aus Gold und zeigt Pharao Chephren aus der vierten Dynastie (2522 bis 2496 vor Christus). Doch auch eine Halskette aus über 5000 goldenen Scheibenperlen, ein Siegelring der Nofretete, Haarrosetten und Armbänder einer syrischen Prinzessin, der Stabaufsatz in Form der Göttin Hathor und eine Nachbildung des Kopfs von Tutanchamun ziehen die Betrachter in ihren Bann. Viele Exponate sind extrem filigran und klein und stehen damit in einem interessanten Gegensatz zu den riesigen Maschinen in der alten Gebläsehalle. Für Grewenig ist das „ein aufregender Dialog“.

Zugleich entdeckt er eine enge Verbindung zwischen dem früheren Industrie-Standort und dem Pharaonen-Gold. Denn die Völklinger Hütte sei das weltweit wichtigste Unesco-Weltkulturerbe der Eisenerzeugung überhaupt. „Das Thema Metall ist etwas, was hier wie kein anderes hingehört“, betont der Kunsthistoriker. „Eisen war das Substrat der Energiezeit, Gold war das Substrat, was die Fantasie der Ewigkeit der Pharaonen bewegt hat. Da gibt es Parallelen.“

Faszinierende Einblicke in die Welt der alten Ägypter geben jedoch nicht nur die Schmuckstücke aus Gold, sondern auch kleine Amphoren, die Spannendes zutage brachten: So sind auch rund 3500 Jahre alte Haarlocken zu sehen, die in einem Tongefäß erhalten geblieben sind, wie auch eine Parfümflasche, mit den ältesten jemals überlieferten Parfümsubstanzen – aus der Zeit von 1525 bis 1504 vor Christus. Er selbst habe das große Glück gehabt, einmal daran riechen zu dürfen, berichtet Grewenig. Wie der Duft gewesen sei? „Sehr fruchtig!“