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Mit Jugendkantorei, Motettenchor und Bachorchester Pforzheim unter der Leitung von Laura Skarnulyté gelingt eine faszinierende Aufführung.  Seibel
Mit Jugendkantorei, Motettenchor und Bachorchester Pforzheim unter der Leitung von Laura Skarnulyté gelingt eine faszinierende Aufführung. Seibel
15.12.2015

Gospel-Oratorium „Prince of Peace“ in der voll besetzten Stadtkirche

Pforzheim. Alle Achtung: So zart und sanft, so dramatisch und spannungsgeladen, so klangschön kann moderne Kirchenmusik sein. Die Aufführung des Gospel-Oratoriums „Prince of Peace“ (Friedensfürst) von Ralf Grössler in der Stadtkirche Pforzheim überzeugte nicht nur, sondern wurde in jeder Hinsicht zu einem großen Erfolg.

Ansteckende Leidenschaft

Erstens, weil es „Gospel-Papst“ Grössler in seinen Kompositionen gelingt, die große kirchenmusikalische Tradition der barocken und romantischen Meister mit Gospelsong, also den Evangelienliedern der Afroamerikaner sowie Jazz-Elementen zu verbinden und er damit einen Nerv der Zeit trifft. Zweitens aber, weil die Ensembles und Solisten, allen voran Gospelsängerin Michelle Walker, Jugendkantorei, Motettenchor und das erweiterte Bachorchester Pforzheim einfach klasse waren – unter der frisch zupackenden Leitung von Kantorin Laura Skarnulyté, die mit ihrem ausstrahlenden Temperament, motivierender Freude und Leidenschaft alle ansteckte. Auch die Zuhörer, die sich in der voll besetzten Kirche hochkonzentriert von dem musikalischen Ereignis einfangen ließen. Das (nach den Evangelien) von Jesus erzählende, auch in Kommentare zu Chaos und Zerstörung unserer Zeit ausgreifende Oratorium mündete chorisch und orchestral mitreißend in einen optimistischen Schluss ein: „Christ, our prince of peace, you are with us forever“ (Christus, unser Friedensfürst, Du bist für immer bei uns). Bis diese Apotheose erreicht wurde, entfalteten sich in den vier Teilen des Werks in einerseits friedlich stillen, auf der anderen Seite unerhört erregenden Abschnitten großartig ausgeformte Instrumental- und Vokalsoli, Doppelchöre und das überwältigende gemeinsame Musizieren aller Akteure.

Heftiges Stampfen

Da gab es chorisch und von der Vokalsolistin eindringlich bittend vorgetragene Verse „Come to us, Lord Jesus“ (Komm zu uns, o Jesus) – vom Orchester, singenden Vibrafon-Glöckchen und jazzigen Saxofon-Einwürfen umspielt. Oder das temperamentvoll von allen zusammen gejubelte „Glory to God“ (Ruhm sei Gott) und das betont gemessen daherschreitende „I am the way“ (Ich bin der Weg). Heftig stampften im Drum-Set die Perkussions-Rhythmen, als Christus Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertreibt. Rasante Tempowechsel begleiteten die Episode, in der Jesus die Ehebrecherin freispricht. Schier atemlos und stakkatohaft die Passage „One of us“ (Einer von uns), in der der Verrat des Judas angekündigt wird. Mit ihrer dunkel verhangenen, öfters vom Saxofon (Holger Werner) oder Vibrafon (Christa Tenbuch) untermalten, an Blues und Soul erinnernden Stimme gab Michelle Walker auch die Sendungsworte des „Prince of Peace“ wieder: „As my father sent me, so I’m sending you“. (Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch). Herz, Verstand und visionäre Kraft strahlten aus dieser von der Zuhörerschaft begeistert aufgenommenen Musik.